Pleitekandidaten und Schwarzarbeit am Bau

3. März 2002, 21:43
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Bauträger und Stadt Wien ringen um Qualitätssicherung

Roman Freihsl

Wien - Dass Preisdumping und Schwarzarbeit die Bauwirtschaft immer mehr unter Druck setzen - und in der Folge zu deutlicher Qualitätsverschlechterung bei Neubauten führen, bestätigt auch Karl Wurm, Obmann der Gemeinnützigen Bauvereinigungen im STANDARD-Gespräch.

"Es ist ganz sicher, dass die Qualität sinkt - das ist ein Ausfluss des Preiskampfes der vergangenen Jahre", erläutert Wurm. Zum einen setzten sich bei Ausschreibungen immer mehr Pleitekandidaten gegen seriöse Bauunternehmen durch - zum anderen werden von Billigstbietern Aufträge an Sub-Sub-Sub-Unternehmen übertragen, was Schwarzarbeit kaum noch kontrollierbar macht, wie Hans-Herbert Grüner von der Landesinnung Bau der Wiener Wirtschaftskammer Anfang Februar Alarm schlug.

"Derzeit besteht bei Wettbewerben kaum die Chance, dass nicht der Billigst-, sondern der Bestbieter zum Zug kommt", beschreibt Wurm die Ursache für diese Entwicklung. "Die Auswirkungen sind im Moment vielleicht noch nicht so schlagend - aber dann in zehn, fünfzehn Jahren, wenn Mängel auftreten und dann kaum mehr jemand greifbar ist." Wurm fordert daher, dass "Produkte im Leistungsverzeichnis detailliert ausgeschrieben werden" und "eine Bauaufsicht losgelöst vom Ausführenden die Baustellen kontrolliert".

Forderungen, die Wiens Wohnbaustadtrat Werner Faymann (SP) nur zum Teil unterschreiben kann: "Werden Leistungen zu detailliert ausgeschrieben, führt das dazu, dass man Produkte von vornherein ausschließt - und eine derartige Bevorzugung Wiener Firmen würde dem Geist der EU widersprechen."

Die einzige Möglichkeit sei, "dass man Wiener Betriebe bevorzugt, indem kleinteiliger ausgeschrieben wird". Direkte Ausschlüsse seien nur möglich, "wenn offensichtlich ist, dass ein Unternehmen einen Auftrag nicht erfüllen kann, oder wenn krasse Verfehlungen bei früheren Aufträgen nachgewiesen werden können". Und das sei mühsam.

Die Stadt Wien versucht nun im geförderten Wohnbau gegenzusteuern, "indem wir im Zweifelsfall bei der Auftragsvergabe einen Teil des Auszahlungsbetrages zurückbehalten. Aber das ist auch kein Allheilmittel, weil man dann auch viele Zores hat."

Was die Schwarzarbeit betrifft, sei es eine Tatsache, "dass das Arbeitsinspektorat zu schwach ausgestattet ist - aber fairerweise muss man sagen, dass das bereits ein Versäumnis früherer Bundesregierungen war". Faymann fordert jedenfalls umgekehrt von den Bauträgern, dass sie "eine fixe Ausweispflicht auf Baustellen" einführen.

(DER STANDARD, Print, 04.03.2002)
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