Sehnen nach Harmonie und Marx

3. März 2002, 19:50
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Neuer steirischer SPÖ-Chef Voves führt Partei zu "linken Wurzeln"

Graz - Die alten Lehrmeister, sie werden langsam wieder entstaubt. "Marx lesen", liegt da am Büchertisch beim Parteitag, oder: "Wer war Bruno Kreisky?" Was von den Linken in der Partei in den letzten Jahren, als die Manager das Ruder übernommen hatten, eingefordert worden war, dass die SPÖ nämlich wieder zurück zu ihren linken Wurzeln müsse, formt sich langsam auch in den Bundesländern zur Generallinie der SPÖ. Der neue steirischer Vorsitzende, Franz Voves, der am Wochenende beim Parteitag im Süden von Graz, mit 99,25 Prozent der Delegiertenstimmen gewählt wurde, formulierte den Linksruck recht deutlich: "Wir wollen keine Knechtschaft im Dienste der Märkte, wir brauchen eine Begrenzung des Liberalismus, des freien Marktes." Die Politik müsse wieder stärker ordnend eingreifen, verlangte der Finanzmanager der Merkur-Versicherung unter dankbarem Applaus der rund 1500 Parteitagsgäste. Diese Botschaften will Voves nun in die Steiermark tragen und dabei Landeshauptfrau Waltraud Klasnic, deren ÖVP bloß ein "verlängerter Arm der neoliberalen Bundesregierung" sei, frontal begegnen. Inhaltlich, aber auch auf Klasnics Stärkefeld, der Emotion. Voves will Klasnic eine "rote" Regionalpolitik "draußen bei den Leuten" gegenüberstellen und Begriffe wie Heimat und Familie mit linker Ideologie aufladen.

Bei so viel Theorie ging das Ende der Ära des Exvorsitzenden Peter Schachner-Blazizek fast unter. Er verabschiedete sich kurz, wohl wissend, dass er Voves an diesem "Harmonie-Parteitag" eine von Flügelkämpfen zerrüttete Landespartei zum Wiederaufbau hinterlassen hatte. (mue - DER STANDARD, Print, 04.03.2002)

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