Belgien fixiert Ausstieg aus der Atomenergie

3. März 2002, 21:35
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Zwischen 2015 und 2025 sollen in den Atomkraftwerken die Lichter ausgehen

STANDARD-Redakteur Jörg Wojahn aus Brüssel

Auch am Wochenende brannte die Beleuchtung auf den belgischen Autobahnen weiter. Dabei hatte die Regierung in Brüssel kurz zuvor Belgiens Atomausstieg beschlossen. Das Energiedefizit, so hieß es, werde unter anderem durch Einsparungen beim Verbrauch ausgeglichen.

Zwischen 2015 und 2025 sollen in den belgischen Atomkraftwerken die Lichter ausgehen, so der Gesetzesentwurf, auf den sich am Freitagabend die Regenbogenkoalition aus Grünen, Liberalen und Sozialdemokraten geeinigt hat. In diesem Zeitraum endet bei den sieben Kraftwerksblöcken in Doel und Tihange die vierzigjährige Höchstbetriebsdauer, die die Regierung gesetzlich festschreiben will. Der Neubau von Anlagen zur Kernspaltung wird untersagt. Nur im Falle "höherer Gewalt" könnte Belgien die Laufzeiten der Kraftwerke noch verlängern.

Der Atomausstieg dürfte für das Land einige Schwierigkeiten bringen, stammen doch knapp 60 Prozent des verbrauchten Stroms aus der Kernkraft. Außer Einsparungen sollen Gasturbinenkraftwerke und erneuerbare Energien für Ausgleich sorgen.

Mit ihrer Entscheidung, die der Umweltstaatssekretär und ehemalige Greenpeace-Chef Olivier Deleuze für die Grünen durchgesetzt hat, gesellt sich die belgische Regierung innerhalb der EU zu den Schweden und den Deutschen, die ebenfalls ein langfristiges Atomausstiegsprogramm beschlossen haben.

(DER STANDARD, Print, 04.03.2002)
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