Image der Schweiz ist gerettet

3. März 2002, 18:24
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Schweizer Bevölkerung stimmt Aufgabe der außenpolitischen Isolation zu

Genf - Das Image der Schweiz ist gerettet. Die Eidgenossenschaft hat sich am Sonntag mit einem Ja zum UNO-Beitritt dafür entschieden, ihre diplomatische Isolation aufzugeben. Die Schweiz, die bereits Mitglied zahlreicher UNO-Organisationen und -Programme ist, könne nun bei den Vereinten Nationen aktiver werden, sagte UNO-Botschafter Francois Nordmann. Für den früheren Staatssekretär Edouard Brunner ist die Schweiz endlich in den Gremien, wo entschieden wird.

Die Schweiz ist das einzige Land, in dem die Bevölkerung über einen UNO-Beitritt abstimmte. Diplomaten hatten befürchtet, dass eine Ablehnung eine allgemeine Schwäche der politischen Position der Schweiz in den Beziehungen zur UNO nach sich ziehen würde.

Bern hofft, dass die Schweizer Diplomatie mit dem UNO-Beitritt ihre einstige Bedeutung zurückgewinnt. Als Vollmitglied kann die Schweiz in New York ihre diplomatischen Aktivitäten verstärken und ihre Initiativen besser vertreten. Für Nordmann gehören unter anderem die Initiative für wirksame Sanktionen sowie das humanitäre Völkerrecht dazu.

Die Schweiz hat nun eine bessere Voraussetzung, ihre guten Dienste anzubieten. Man hofft, dass das internationale Genf vermehrt Sitz von neuen Sekretariaten und von Konferenzen wird. Zudem werden mehr Schweizerinnen und Schweizer innerhalb des UNO- Systems bedeutende Funktionen übernehmen können.

Nordmann betonte, die Tatsache, dass sich die Genfer mit 67 Prozent klar für einen Beitritt aussprachen, habe auch gezeigt, dass die lokale Bevölkerung die internationalen Organisationen voll akzeptiere.

Vorbild

Für die UNO ist die Schweiz ein Vorbild für Demokratie, multikulturelles Zusammenleben und für die Menschenrechte. Daher sei es wichtig, dass die Schweiz Mitglied sei, sagte Marie Heuze, Informationschefin des europäischen UNO-Sitzes in Genf. Das Schweizer Ja zur UNO stärke zudem den Genfer Sitz der Vereinten Nationen.

Der UNO-Beitritt der Schweiz beseitigt jedoch nicht alle Hindernisse für die Diplomatie. Ein Handicap bleibt die Tatsache, dass die Schweiz nicht EU-Mitglied ist. So erhielt Bonn den Zuschlag für die Afghanistan-Konferenz im Dezember anstelle von Genf. Grund dafür war das Engagement Deutschlands vor Ort und die Unterstützung der EU.

Die Schweiz wird voraussichtlich im September von der UNO-Generalversammlung als 190. Mitglied in die Vereinten Nationen aufgenommen. Ihr Beitrittsgesuch wird zuvor im Sicherheitsrat behandelt. Im Text des geplanten Beitrittsgesuchs wird erklärt, dass die Schweiz auch als UNO-Mitglied neutral bleibt. (APA)

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