Francesco Pardi: Eigenwillige neue Galionsfigur der italienischen Linken

4. März 2002, 10:33
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Der Professor, sein Hund Plato und die Politik

Gerhard Mumelter

Er wohnt inmitten der Rebhügel von Chianti. Am liebsten  streift er mit seinem toskanischen Schäferhund Plato durch die Wälder der Umgebung. Jeden Morgen fährt er mit dem Zug nach Florenz, wo er an der Universität Raumplanung lehrt.

Francesco Pardi ist ein durchaus besinnlicher Mensch. "Ich bin ein Normalbürger", sagt er über sich. Dass der begeisterte Segler, der "jede Form von Rummel verabscheut" und gern nach Fossilien sucht, sich urplötzlich als Galionsfigur der neuen Bürgerbewegung gegen Berlusconi wiederfindet, bereitet ihm sichtlich Unbehagen. Dabei hat er nichts anderes getan, als in Florenz eine Kundgebung gegen die Rechtsregierung zu organisieren.

Dass trotz strömenden Regens statt der erwarteten 500 gleich 12.000 Menschen erschienen, war für Pardi eine "Riesenüberraschung". Statt politischer Slogans malten die Professoren gelehrte Sprüche von Seneca ("Magna promissisti, exigua videmus"/"Viel hast du versprochen, wenig sehen wir") oder Diogenes Laertius ("Große Diebe lassen die kleinen hängen") auf die Transparente. Die Kundgebung wurde unvermittelt zum Startsignal einer Welle des Aufbegehrens gegen Berlusconi, aber auch gegen die "zahme und wirkungslose Anbiederungspolitik" des linken Ölbaum-Bündnisses.

Dass zu einer lebhaften Diskussion zwischen Pardi und Massimo D'Alema 4000 Zuhörer erschienen, wertet der Professore als "Neuentdeckung der politischen Leidenschaft". Dass Regisseur Nanni Moretti ihn gleich als neuen Ulivo-Chef vorschlägt, quittiert er mit Kopfschütteln. Es war Pardis Rede bei einer Kundgebung auf Roms Piazza Navona, die Moretti zu seiner Generalabrechnung mit der Linken stimuliert hatte. "Ich eigne mich nicht zum Politiker", findet Pardi, den seine Freunde "Pancho" nennen. "Und ich hänge an meinem Beruf."

Mit dem Parteichef der Linksdemokraten, Piero Fassino, würde der Professor "nicht um eine Million Euro tauschen". Die Politik beobachtet er mit einer gesunden Portion Skepsis. Seit seinem Engagement für die außerparlamentarische Linke vor über 30 Jahren hat Pardi zwar immer links gewählt. "Aber dabei musste ich mir Augen und Ohren zuhalten", gesteht er. Als Dauergast in Talkshows und Fernsehdiskussionen wird er nicht müde, die "Distanz zwischen Wählern und Politik" anzuprangern. Meistens bringt er seinen engen Freund und Mitkämpfer Paul Ginsborg mit. "Der drückt sich eleganter aus", witzelt er über den in Florenz lehrenden britischen Historiker und leidenschaftlichen Teetrinker.

Pardi selbst redet gerne Klartext. Diese Neigung führt er auf seinen Geburtstag zurück: Der 25. April 1945 war der Tag der Befreiung Italiens vom Faschismus.

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