Räuberhöhlenforscher

3. März 2002, 20:40
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Szenen-Sang mit Hexenspuk in der Wiener Volksoper

von Beate Hennenberg


Wien - Fantasy und Hexenspuk, Druiden und Totgeglaubte in der Walpurgisnacht: Harry Potter hätte keine größere Freude haben können als die Hörer des die Saison beschließenden Konzertes in der Wiener Volksoper.

Romantisch-düstere Nebel in der Räuberhöhle

Dominique Mentha setzt sich bekanntermaßen gern auf solche selbstfahrenden Züge. Die erste Station hieß allerdings nicht Hogwarts, sondern es ging mitten hinein in den romantisch-düsteren Nebel: Ingrid Kaiserfeld als Séraphine, Klaus Kuttler und Peter Jelosits als Rolande und Alphonse brachten per Schnelldurchlauf Licht in die Räuberhöhle. Also in ausgewählten Szenen der Oper La Caverne von Jean-Fran¸cois Le Sueur (1760-1837).

Richard Wagners Einlageszene zu Vincenzo Bellinis Norma ergab den nächsten Knalleffekt: Hatte sich doch der kleinen Sachse mit dem viel zu großen Kopf, der von sich als "Gemisch aus Hamlet und Don Quichotte" sprach, stets mit Verachtung über seine französischen und italienischen Kollegen geäußert.

"Volles Rohr" Walpurgisnacht

An Bellini biss er sich die Zähne aus, denn Wagners nachkomponierte Szene wurde - obzwar mit Blech und Schlagwerk befrachtet und für Bassisten dankbar zu singen - zu Lebzeiten nie aufgeführt. Carsten Wittmoser schlug sich anständig, obwohl vom Direktor persönlich zuvor angesagt. Hexenspuk und Ritual nochmals ganz groß: Die Kantate Erste Walpurgisnacht von Felix Mendelssohn Bartholdy schildert sozusagen volles Rohr einen heidnischen Volksbrauch zur Begrüßung des Frühlings.

Thomas Hengelbrock, der Minuten vor Konzertbeginn noch ziemlich hemdsärmelig die Bühne neu bestuhlte, ließ beim Schlussspuk seinen achtstimmigen Volksopernchor, das Orchester und Mariselle Martinez, Juhan Tralla, allen voran jedoch Morten Frank Larsen die Funken sprühen.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 04.03. 2002)

http://www.theater-im-bahnhof.com/
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