Wachstumsmotor Privatisierung

3. März 2002, 19:05
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Südosteuropa gilt als die Wachstumsregion Nummer eins unter den Reformstaaten

Split - Thomas Kofler, Leiter der CA-IB-Gesellschaften in Zagreb und Ljubljana, führt den zu erwartenden Wachstumsschub unter anderem auf Privatisierungen zurück. In diesem Bereich sei vor allem in den Ländern des ehemaligen Jugoslawien noch einiges offen.

Für die CA IB, die Investmentbank-Tochter der Bank-Austria-Gruppe, ist vor allem Kroatien ein lohnendes Betätigungsfeld, fand Kofler bei einem Pressegespräch in Split. Seit dem prestigeträchtigen Mandat der kroatischen Regierung für den Verkauf von 35 Prozent der kroatischen Telekomgesellschaft (HT) an die Deutsche Telekom für 850 Mio. Dollar (980 Mio. Euro) vor zwei Jahren (mittlerweile hält die Deutsche Telekom bereits 51 Prozent) kämen laufend neue Aufträge. So werde auch der mittelfristig geplante Börsegang der HT unter Federführung der CA IB erfolgen.

Börsegang

Die weitere Privatisierung der HT sieht vor, dass 20 Prozent an die Börse gebracht werden, jeweils 7,5 Prozent sollen an Mitarbeiter sowie an Kriegsveteranen (aus dem Krieg gegen die jugoslawische Armee) gehen. Die restlichen 14 Prozent will der Staat behalten.

Als das größte Privatisierungsvorhaben Kroatiens im heurigen Jahr bezeichnete Kofler den weiteren Abverkauf der Croatia Osiguranje, der führenden Versicherungsgesellschaft des Landes, die bei einem Prämienvolumen von 325 Mio. Euro auf einen Marktanteil von 54 Prozent kommt. Auch dabei sei die CA IB als Berater tätig.

Kofler sprach von 21 Interessenten, darunter auch solchen aus Österreich, wollte allerdings keine Namen nennen. Dem Vernehmen nach sollen sowohl die Wiener Städtische als auch die Uniqa sowie die Grazer Wechselseitige Versicherung interessiert sein; ob sie allerdings ein konkretes Angebot abgeben werden, ist noch offen. Von den 78 Prozent, die sich noch in Staatsbesitz befinden, sollen in einer ersten Tranche 51 Prozent verkauft werden. Die Transaktion sollte bis Juli abgeschlossen sein.

Energieunternehmen

Von der staatlichen Elektrizitätsgesellschaft HEP sollen 25 Prozent abgegeben werden, sagte Kofler. Es sei ein Börsegang vorgesehen, der allerdings nicht vor 2003 stattfinden werde.

Auch die zu 100 Prozent in Staatseigentum befindliche Ölgesellschaft INA soll privatisiert werden. In einem ersten Schritt sollen 25 Prozent an einen strategischen Investor abgegeben werden. Zu den Interessenten zählen neben Shell, der italienischen ENI, der ungarischen Mol und der russischen Yukos auch die OMV.

Bei der Privatisierung in Kroatien kommen Einheimische fast ausschließlich bei kleineren Transaktionen zum Zug. "Bei den größeren Brocken, wenn es um Beträge von 100 Mio. Euro aufwärts geht, fehlt einfach das Kapital im Land", stellte Kofler fest. Deshalb sind etwa die kroatischen Banken überwiegend in ausländischer Hand.

Bei der Nummer eins im Lande, der Zagrebacka Banka, will der italienische UniCredito in den nächsten Tagen die Mehrheit erwerben. Die Nummer zwei, die Privredna Banka, befindet sich in Händen der italienischen Intesa. Die Nummer drei, die Splitska Banka, ging, wie berichtet, an die Bank Austria.

Die Nummer vier, die Rijecka Banka, gehört zum Konzern der Bayerischen Landesbank, zu dem auch die Bawag zählt. Nummer fünf und Nummer sechs sind die Kroatien-Töchter der Raiffeisen Zentralbank und der Kärntner Hypo Alpe Adria. Und Nummer sieben ist die Dubrovacka Banka, die erst vor wenigen Tagen von der im Eigentum des britischen Investmentfonds Charlemagne Capital stehenden Dalmatinska Banka erworben wurde. (Günter Baburek, DER STANDARD, Printausgabe 4.3.2002)

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