Italiens Wettbewerbsbehörde legt Veto gegen Pay-TV-Ehe ein

3. März 2002, 18:01
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"Rotes Licht" für Fusion zwischen Stream und Telepiu

Die italienische Wettbewerbsbehörde will ein Veto gegen die geplante Fusion der italienischen Pay-TV-Sender Stream und Telepiu einlegen. Die Ehe zwischen den einzigen beiden Pay-TV-Kanälen könnte in Italien eine Wettbewerbsverzerrung darstellen, berichteten italienische Medien. Es dürfe kein Pay-TV-Monopol entstehen. Daher habe der Präsident der Behörde, Giuseppe Tesauro, eine Ermittlung gegen die Fusion eingeleitet. In Hinblick auf das Anfang Mai erwartete Ende der Untersuchung ordnete Tesauro die Einfrierung des Zusammenschlusses an.

Obhut

Die beiden stärksten Pay TV-Kanäle des Landes, Telepiu und Stream, wollen unter der Obhut des französischen Konzerns Vivendi einen Zusammenschluss einleiten. Der australische Medienkonzern News Corp von Rupert Murdoch steigt hingegen aus dem italienischem Fernsehgeschäft aus. Nach Monate langem Tauziehen soll sich nach Vivendis Plänen wieder ein Monopolist auf dem italienischen Pay-TV-Geschäft breit machen.

Durchbruch

Mit rund 820.000 Abonnenten ist Stream jener Pay-TV-Sender, mit dem Murdoch vor zwei Jahren gehofft hatte, im italienischen Digitalbereich den Durchbruch zu schaffen. Italien scheint jedoch dem Fernsehbaron kein Glück zu bringen. Der Markt ist für zwei Pay TV-Kanäle noch nicht groß genug. Daher musste Murdoch aufgeben und seinen TV-Kanal an Vivendi verkaufen. Die Fusion mit dem bisherigen Rivalen Telepiu, der Anfang der neunziger Jahren von der Mediengesellschaft Mediaset unter Kontrolle des Regierungschefs Silvio Berlusconi gegründet worden war und seit 1999 unter mehrheitliche Kontrolle des französischen Canal Plus (eine Tochter von Vivendi) steht, sollte die Entwicklung des Digitalfernsehens in Italien fördern, behaupten die Befürworter.

Kein Gewinn

Der 1993 gegründete Kanal Stream hat bis jetzt noch keine Gewinne geschrieben und Murdoch, der einen 50-prozentigen Anteil daran hielt, öfters Schwierigkeiten bereitet. Stream, der in Italien einen Teil der Fußballspiele der Serie A überträgt, meldete 2001 Verluste in Höhe von 400 Millionen Euro. Branchenexperten veranschlagen den Übernahmewert auf unter 480 Mio. Euro. Nach dem Ausstieg aus Stream wird Murdoch in Europa außerhalb von Großbritannien nur noch in Deutschland eine bedeutende Beteiligung am TV-Geschäft halten.

Ausnutzung

Die Telekommunikationsbehörde befürchtet, dass ein Pay-TV-Monopolist seine Stellung nicht nur bei der Preisgestaltung, sondern auch beim Erwerb von Übertragungsrechten großer Sport-Events ausnutzen könnte. Stream und Telepiu erwidern indes, dass das digitale Fernsehen in Italien ohne die Zusammenlegung ihrer Aktivitäten in Italien keine Zukunft hätte. Das Veto der Telekommunikationsbehörden könnte zu einem Überdenken der Entwicklungspläne für das Digitalfernsehen in Italien führen. (APA)

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