"Zoff" zwischen HVB und Bank Austria

3. März 2002, 17:23
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Probleme bei Integration - HVB-Projekte stocken, weil österreichische Tochter auf Unabhängigkeit pocht

Frankfurt/München/Wien - Die bayrische HypoVereinsbank (HVB) stößt bei der Integration der Bank Austria auf große Probleme. Wie "Die Welt" (Samstagausgabe) aus Bankkreisen erfahren hat, verzögern sich mehrere wichtige Projekte, da über die genauen Berichtslinien sowie Umsetzungspläne noch keine Entscheidungen vorliegen. Von einer erfolgreichen Integration der Bank Austria hängt entscheidend die weitere Expansion der HVB Gruppe in Europa ab.

In einer internen Mail vom 19. Dezember vergangenen Jahres hatte der HVB-Vorstand den Mitarbeitern zugesichert, bis zum 1. März "die Struktur und Besetzung der zweiten operativen Führungsebene" auch für jene Teile der globalen Geschäftsfelder zu ernennen, die die Bank Austria betreffen. Eine entsprechende Nachricht an die Mitarbeiter sei bisher jedoch ausgeblieben. Betroffen seien vor allem die Geschäftsfelder "Unternehmen und Märkte" sowie das Vermögensmanagement. So laufe die gemeinsame Betreuung der multinationalen Unternehmen erst allmählich an. Auch das Projekt "HVB Markets", das die Integration der Wertpapier-Handelsbereiche vorsieht, komme nicht wie geplant voran.

"So lässt sich keine moderne Bank führen"

Während hochrangige Konzernmanager der HVB rechtliche und steuerliche Gründe für die Verzögerung nennen, sehen andere Verantwortliche die Ursache im Konflikt zwischen der HVB und deren Tochter Bank Austria. "Wenn wir in Österreich etwas umsetzen wollen, bekommen wir das Gesetzbuch vor die Nase gehalten", zitiert das Blatt einen Banker. "Die Bank Austria beharrt weiterhin darauf, dass alle Entscheidungen in ihrem AG-Vorstand abgesegnet werden. So lässt sich keine moderne Bank führen."

Ursprung des Konflikts, schreibt "Die Welt", sei die neue Führungsstruktur, die HVB-Vorstandschef Albrecht Schmidt auf einem Strategietag in München am 29. November 2001 vor 1.700 Führungskräften vorstellte. Damals hatte Schmidt verkündet, dass Bereichsvorstände künftig neu geschaffene globale Geschäftsfelder übergreifend führen werden.

Widerstand gegen Entmachtung

Einflussreiche Kreise in der Bank Austria, die im vergangenen Jahr gut ein Drittel zum Konzern-Jahresüberschuss vor Steuern beitrug, wollen sich mit dieser Entmachtung nicht abfinden, heißt es in dem Zeitungsbericht weiter. Sie bestünden weiterhin darauf, dass auch in den globalen Geschäftsfeldern die Entscheidungskompetenz beim AG-Vorstand der Bank Austria verbleibt. Alle großen Entscheidungen, die einzelne Geschäftsbereiche und das Personal beträfen, müssten weiterhin vor Ort getroffen und verantwortet werden.

Beim Kampf um ihre Eigenständigkeit, so "Die Welt", berufe sich die Bank Austria (BA) auf den "Bank-der-Regionen"-Vertrag, der zwischen der HVB, der BA und der AVZ-Stiftung im Sommer 2000 vereinbart wurde. Darin habe die HVB zugesichert, dass "die BA-Neu zukünftig innerhalb der HVB-Gruppe als eigenständige, auf die strategischen Zielsetzungen und Kernkompetenzen der gesamten HVB-Gruppe fokussierte Universalbank" agieren kann.

Harte Hand?

Der Ausgang des Konflikts, schreibt das Blatt, ist offen. Während einige hochrangige Vertreter einen Kompromiss für Mitte März voraussagen, halten es andere für möglich, dass Konzern-Chef Schmidt mit harter Hand durchgreifen muss: "Wenn die Bank Austria die gemeinsame Strategie nicht umsetzt, dann wird das Konsequenzen für das Management haben. Schmidt schaut sich das nicht mehr lange an." Sollte der HVB-Vorstandssprecher durchgreifen, würde das vermutlich an aller erster Stelle Bank-Austria-Chef Gerhard Randa treffen, schreibt "Die Welt". Randa sitzt im sechsköpfigen Konzernvorstand und hat ebenfalls für die neue Führungsstruktur gestimmt. Wiener Kreise, so "Die Welt", verwiesen hingegen darauf, dass im Vorstandsbeschluss zur Führungsstruktur ausdrücklich die Achtung des "Bank-der-Regionen"-Vertrags erwähnt sei. (APA)

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