Es gibt ein Leben nach der Politik

3. März 2002, 18:40
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Prominente steigen in die boomende Branche der BeraterInnen und MarketingstrategInnen ein

Wien - "In Österreich bin ich mit dieser Kombination einzigartig", sagt Theresia Zierler selbstbewusst. Sie hat im Jänner ein Büro als Medien- und Kommunikationstrainerin aufgemacht und kennt das Mikrofon von beiden Seiten. Schließlich war die Ex-FPÖ-Generalsekretärin und Abgeordnete davor auch selbst ORF-Journalistin. Ihre Dienste bietet sie Unternehmen und PolitikerInnen - speziell Frauen - an, wobei nicht nur "Blaue" die Zielgruppe sein sollen. Die Berührungsängste, die gegenüber einer FPÖ-Politikerin herrschen, sind noch nicht ganz abgebaut. Aber es sei schon besser geworden, sagt Zierler. "act-talk-win" steht auf ihrem Werbefolder. (www.zierler.at).

Wann sie aus der Politik ausscheiden wird, steht noch nicht fest. Was sie danach machen will, aber schon: VP-Generalsekretärin Maria Rauch-Kallats Ankündigung, Psychotherapeutin werden zu wollen, schlug seinerzeit Wellen. Als Lehrerin hat sie bereits pädagogisch-psychologisches Rüstzeug erworben. Letzten Freitag nahm sie an einem Seminar über "Medien- und Kampagnenmanagement" teil. Fehlt nur noch die Mediatorenausbildung, die Rauch-Kallat langfristig anstrebt. "Gute Politikberatung ist Persönlichkeitsberatung, das hat ohnehin immer einen therapeutischen Ansatz", sagt sie lachend.

Der Umgang mit Menschen

Nur indirekt die politische Bühne betreten hat Sonja Klima, (Noch-)Ehefrau des ehemaligen Bundeskanzlers. Sie ist soeben mit Konsulentenvertrag beim Event-Veranstalter Christian Marek eingetreten. Erstes gemeinsames Projekt: "Die Nacht der 1000 PS", ein Ball im November in der Hofburg, bei dem sich Wirtschaft, Motorsport und Autobranche ein Stelldichein geben sollen. Exvolksschullehrerin Klima im STANDARD-Gespräch über ihre berufliche Partnerschaft: "Wir ergänzen uns: Er ist der Kaufmännische, ich die Kreative." Sie spreche gerne mit Menschen, habe Spaß am Organisieren. Was man am politischen Parkett lerne? Den Umgang mit Menschen, antwortet sie, und scheint ziemlich froh zu sein, jetzt "absolut frei zu sein" und ihre Meinung ohne Rücksichtnahmen vertreten zu können. (www.dienachtder1000ps.at)

Auf "strategische Kommunikationsberatung" hat sich die frühere Vorzeigefrau der Grünen, Monika Langthaler, spezialisiert. Nach zehn Jahren Politik berät sie derzeit beispielsweise Außen-, Wirtschafts- und Umweltministerium für eine internationale Umweltkonferenz im Herbst in Johannesburg. Daneben gibt es zwei Internetplattformen für gesunde Lebensmittel. Ökologie ist ihr Hauptthema geblieben. (www.brainbows.com)

Die Branche scheint jedenfalls noch Aufnahmekapazität zu haben - möglicherweise sogar für Exverkehrsministerin Monika Forstinger. Sie könnte authentisch darüber berichten, in welche Fallen PolitikerInnen tappen. Doch über ihre berufliche Zukunft hüllt sich die Glücklose derzeit in frostiges Schweigen.

(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 02./03.03.2002)

Martina Salomon
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    Theresia Zierler
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