Lage auf Madagaskar bleibt hoch explosiv

3. März 2002, 16:45
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"Gegen-Präsident" Ravalomanana stellt seine "Regierung" vor

Antananarivo/Rom - Nach der Verhängung des Kriegsrechts über die Hauptstadt Antananarivo hat die hoch explosive Stimmung auf Madagaskar am Wochenende angehalten. Obwohl der bisherige Präsident Didier Ratsiraka Versammlungen verboten und einen Militärgouverneur für die Hauptstadt eingesetzt hatte, nahmen am Samstag Zehntausende ungehindert an der Vorstellung der neuen "Regierung" teil.

Gegen-Präsident Marc Ravalomanana, der zugleich Bürgermeister Antananarivos ist und sich als Sieger der Präsidentschaftswahl vom 16. Dezember sieht, stellte ein Kabinett ohne Außen- und Verteidigungsminister vor. Unterdessen wurde auf einer vorgelagerten Insel ein Anhänger Ravalomananas ermordet.

Das Hauptquartier Ravalomananas in Antananarivo wurde von seinen Anhängern, die jederzeit mit einem gewaltsamen Vorgehen des langjährigen Präsidenten Ratsiraka rechneten, mit Straßensperren geschützt. Papst Johannes Paul II. rief die rund 15 Millionen Madegassen auf, sich an das Prinzip der "Gewaltfreiheit" zu halten, um einen Ausweg aus der Krise zu finden.

Auf der kleinen Insel Nosy-Be vor der Nordwestküste Madagaskars wurde ein Bankdirektor umgebracht, der als Anhänger Ravalomananas bekannt war. Laut Augenzeugen steckte hinter der Tat ein Oberst, der bereits in den 90er Jahren bei einem Machtwechsel in der Hauptstadt die Bevölkerung Nosy-Bes terrorisiert hatte und dann inhaftiert wurde, bevor Ratsiraka ihn 1996 begnadigte. (APA)

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