Liquidität für Kirch durch Verkauf des Springer-Pakets

3. März 2002, 16:00
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250 Millionen Euro für vorübergehende Übernahme durch HVB

Die geplante vorübergehende Übernahme des 40-prozentigen Anteils der deutschen Mediengruppe Kirch am Axel Springer Verlag durch die bayrische HypoVereinsbank (HVB) für 1,1 Milliarden Euro soll Kirch nach Vorstellungen des Instituts einen Barmittelzufluss von 250 Millionen Euro verschaffen. Dies berichtet die "Börsenzeitung" in ihrer Samstagausgabe unter Berufung auf Finanzkreise aus Frankfurt. Diese Forderung sei zugleich der "Knackpunkt" des erwogenen Deals.

Springer-Anteile für 700 Millionen Euro verpfändet

Die Springer-Anteile sind für Kredite von rund 700 Millionen Euro an die Deutsche Bank verpfändet. Nachrangig dient das Paket aber auch als Sicherheit für J.P. Morgan, Lehman Brothers und die Bayerische Landesbank für die Finanzierung der Kirch-Beteiligung am Formel-1-Geschäft. Da mit dem gebotenen Preis von 1,1 Milliarden Euro die Kredite der Deutschen Bank abgelöst werden müssen, bliebe für die drei Gläubigerbanken nur ein Betrag von etwa 150 Millionen Euro übrig, wenn der Cash-Zufluss an Kirch von der Gesamtsumme abgezogen wird, heißt es in dem Bericht weiter.

Liquiditätisspritze verabreichern

Die HVB soll auf dem Standpunkt stehen, dass die reine Ablösung von Kirch-Krediten nicht Ziel führend sei. Sie halte die Wertsicherung bei Kirch nur für möglich, wenn der Mediengruppe im Zusammenhang mit der Transaktion des Springer-Anteils eine Liquiditätsspritze in der genannten Höhe verabreicht werde, berichtet die Zeitung. Dagegen soll den drei anderen Instituten der dann für sie übrig bleibende Rest deutlich zu niedrig sein. Wie es hieß, müsse das Trio möglicherweise dennoch auf den Deal eingehen, weil andernfalls drohe, so ein führender Banker, "dass der Dollar bei Kirch keine 50 Cent mehr wert ist".

Beteiligung in Aussicht stellen

Der Bayerischen Landesbank könnte das Geschäft dem Vernehmen nach dadurch schmackhaft gemacht werden, dass man ihr eine Beteiligung an der für das Springer-Paket erwarteten Wertsteigerung in Aussicht stellt. Diese soll durch eine durchgreifende Restrukturierung des Verlags erreicht werden. Die HVB will die 40 Prozent Aktien von Kirch zusammen mit einer anderen Bank übernehmen. Dafür kommen die Dresdner Bank und die Bayerische Landesbank in Frage, so der Bericht. Wie es weiter hieß, gibt es Angebote mehrerer strategischer Investoren, die mehr als 1,1 Milliarden Euro für das Springer-Paket zahlen würden. Genannt werden der Heinrich Bauer Verlag (Hamburg), die Burda Holding (München), die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck GmbH (Stuttgart) und die WAZ.

"Unterschriftsreif"

"Unterschriftsreif" sei die Übernahme der 25-prozentigen Beteiligung von Kirch am spanischen Sender Telecinco durch das Berlusconi-Imperium, heißt es abschließend in der Zeitung. (APA)

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