Botwinow hat "nichts zu verbergen"

5. März 2002, 16:57
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"Heilpraktiker" Walter Mayer möchte IOC am liebsten selbst über seine "Hokus-Pokus-Methode" aufklären

Wien - Michail Botwinow reagiert zornig, wenn sein Name in Zusammenhang mit möglichen Dopingpraktiken genannt wird. Bei den im Haus der ÖSV-Langläufer nach den Olympischen Spielen gefundenen verdächtigen Gegenständen (u.a. Blutbeutel, Injektionsnadeln) hatte sich auch ein Schildchen mit der Aufschrift Botwinow befunden. "So ein Blödsinn. Ich habe die Therapie gar nicht mitgemacht und wirklich nichts zu verbergen", versicherte der Olympia-Dritte über 30 km.

Zuvor hatte bereits Christian Hoffmann erklärt, sich der umstrittenen UV-Therapie nicht unterzogen zu haben. Damit sollte keiner der zwei ÖSV-Medaillengewinner im Langlauf in den "Fall" verwickelt sein.

Vitamine und Glukose

Botwinow ärgert sich über das Organisationskomitee in Salt Lake City bzw. das IOC, die seinen Namen öffentlich gemacht hätten. "Im Fernsehen und in jeder Zeitung wird mein Name genannt, das find ich "lächerlich", sagte der Ex-Staffel-Weltmeister. Ihm seien lediglich nach dem 50-km-Rennen Vitamine und Glukose zugeführt worden. "Darüber braucht man wohl nicht zu diskutieren, dass ein Sportler nach einer großen Belastung so etwas bekommt."

Heilpraktiker Mayer

Walter Mayer, der die von einem Heilpraktiker übernommene Therapie selbst durchgeführt hatte, wies am Sonntag nochmals darauf hin, dass es sich dabei nicht um etwas Verbotenes handle. Der Vorwurf, Blutdoping mit Eigen- oder Fremdblut betrieben zu haben, könne leicht entkräftet werden. "Fremdblut kann man mit einem DNA-Test nachweisen und mit Eigenblut wäre es so kurz vor dem Wettkampf sinnlos", sagte Mayer.

Konsequenzen

Ganz sicher, ob das IOC seinen Erklärungen Glauben schenkt, ist sich Mayer aber nicht. Deshalb würde er am liebsten gleich selbst mit den zuständigen Herren reden. "Das ärgert mich ja so, mit mir redet keiner, die gehen gleich an die Presse", meinte der ÖSV-Sportdirektor für Langlauf und Biathlon. Dass er durch die Abnahme des Blutes als Nicht-Mediziner einen Fehler gemacht habe, sieht Mayer ein. Eine Konsequenz aus den Vorfällen wird sein, künftig eng mit einem Arzt zusammenzuarbeiten.

"Hokus-Pokus-Methode"

Mayer hatte die UV-Therapie auch bei seinem Sohn Marc angewendet. "Er hatte Neurodermitis, erst mit der Alternativmedizin bekamen wir es in den Griff." Ernst Raas, der im ÖSV für die Alpinen zuständig und auch Vorsitzender der Medizinischen Kommission der FIS ist, sieht in der geübten Praxis ("Wenn es so praktiziert wurde, wie von Mayer erklärt") keinen Verstoß gegen Dopingbestimmungen. "Ich habe keinen Anlass, die Aussagen Mayers zu bezweifeln", sagte Raas und bezeichnete die UV-Therapie als "Hokus-Pokus-Methode." Damit sei aber keine verbotene Leistungssteigerung verbunden. (APA)

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