"Unsichtbarer" Bau

3. März 2002, 15:03
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Albertina: Studiensäle bleiben vorerst in der Nationalbibliothek

Wien - Mitte März beginnt die Besiedlung des dieser Tage fertig gestellten neuen Studiengebäudes der Albertina; ein "unsichtbarer" viergeschossiger Bau, ist er doch in die Bastei hineinversetzt worden. Das 3.500 Quadratmeter große Gebäude ist dennoch bis ins vierte Untergeschoß mit Tageslicht durchflutet, verfügt es doch am Ende der (nun etwas verkürzten) Bastei über einen Lichthof und über eine raffinierte Glasverdachung, durch die das Licht absolut blendungsfrei bis hinab auf den eigentlichen Wiener Boden geleitet wird.

Das Studiengebäude reicht somit wohl vier Geschosse unter das Albertina-Areal und ist dennoch nicht unterkellert. Bis zum ursprünglichen Wiener Bodenniveau musste jedoch aus statischen Gründen ausgehoben werden, hat sich doch seinerzeit beim Bau der Nationalbibliothek dieses Versäumnis als folgenschwer für die Prunksaal-Kuppel erwiesen, berichtet Architekt Friedrich Mascher.

Bereits 1992 hatten die Architekten Erich Steinmayr und Friedrich Mascher den Wettbewerb für die Generalsanierung und Erweiterung der Albertina gewonnen - mit ihrem Vorschlag für Neubauten in der funktionslosen Bastei, auf der sich elf Meter über dem Straßenniveau das Albertina-Palais erhebt. Ihr Projekt für ein Tageslichtgebäude in der Bastei, an das sich ein fünfgeschossiger Hochsicherheits-Tiefspeicher (3.000 Quadratmeter) anschließt, wurde dann nach Jahren zähen Ringens um eine Redimensionierung 1999 - nahezu entgegen österreichischen Gepflogenheiten - nicht nur nicht in verkleinerter Version in Angriff genommen, sondern um eine weitere 800 Quadratmeter große Ausstellungshalle in der Bastei erweitert, die der neue Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder durchsetzen konnte.

Das neue Studiengebäude bietet Raum für die Restaurierwerkstätten, die Bibliothek, die Buchbinderei, die Repro- und die Fotografieabteilung sowie für den externen und den internen Studiensaal. In der ersten Benützungsphase allerdings werden die Studiensäle weiterhin dort bleiben, wo sie derzeit interimistisch sind: in der Nationalbibliothek, in deren Tiefspeicher ja auch die graphische Sammlung derzeit als Depot-Untermieter untergebracht ist.

Weitere Planungen

Denn für die Einrichtung des im Rohbau fertiggestellten Hochsicherheitsdepots - dem künftigen eigentlichen Logistikzentrum der Albertina - fehlt derzeit noch das Budget. Es werde, so hatte Bildungsministerin Elisabeth Gehrer im Vorjahr in einer parlamentarischen Anfrage bekanntgegeben "zum geeigneten Zeitpunkt" bereit gestellt werden. Dann nämlich, wenn die Nationalbibliothek selbst den Speicherplatz braucht. Und diese hat bereits die Planung für einen weiteren Speicher aufgenommen, da spätestens 2010 ihr vor zehn Jahren eröffneter Tiefspeicher gefüllt sein wird.

Fotosammlung

In die künftigen Studiensäle zieht zunächst die derzeit im Akademiehof untergebrachte 1999 gegründete Fotosammlung der Albertina ein. Deren Kernstück bilden - neben frühen Lichtbildern aus der Bibliothek der Albertina - als Dauerleihgaben die legendären Bestände der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt sowie das Archiv des Langewiesche-Verlages (Sach- und Architekturfotografie 1900-1960), mit denen die Albertina-Fotosammlung auf Anhieb eine der weltweit bedeutendsten Fotokollektionen verfügt. Auch Teile der Administration werden während der laufenden Sanierungs- und Umbauarbeiten im historischen Palais ins Studiengebäude ausgelagert.

Eine Ausstellung der Fotosammlung wird zur Wiedereröffnung der Albertina am 17. März 2003 mit den neuen Ausstellungssälen im Palais (der "Propter-Homines-Halle" mit 830 Quadratmetern sowie der "Pfeilerhalle" mit 450 Quadratmetern) auch die neue "Bastei-Halle" eröffnen.

Zu den insgesamt über 8.000 Quadratmetern im Palais und den ebenso großen Neubauflächen in der Bastei darf Albertinadirektor Schröder in Zukunft noch auf weitere Flächen im Palais hoffen. Dann nämlich, wenn die im Obergeschoß beheimatete Musiksammlung der Nationalbibliothek in ihr neues Domizil im Palais Mollard in der Herrengasse umzieht. Das sollte, nach Angaben von Nationalbibliotheks-Direktorin Johanna Rachinger, 2005 der Fall sein. Die Räume der Musiksammlung könnten dann nach Angaben von Direktor Schröder Fotografiesammlung zur Verfügung stehen. (APA)

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