Demo von Semperit und Gislaved-Arbeitern bei Conti

4. März 2002, 19:33
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Conti-Chef nennt Bedingungen für Traiskirchen-Verkauf

Hannover/Wien - Gut 300 Mitarbeiter der zum Continental-Konzern gehörenden Reifenwerke in Traiskirchen (Österreich) und Gislaved (Schweden) haben am Montag vor der Konzernzentrale in Hannover gegen die Stilllegung ihrer Fabriken demonstriert. In einer Petition forderten die Gewerkschafter und Betriebsräte den Continental-Vorstand auf, diese Pläne zurückzunehmen bzw. einem Verkauf der Standorte an potenzielle Interessenten zuzustimmen. Die von Konzernchef Manfred Wennemer später dafür genannten Bedingungen dürften für Interessenten jedoch praktisch nicht zu erfüllen sein.

Bedingungen

Zum einen müsse der mit den Belegschaften ausgehandelte Sozialplan aufrecht bleiben, Investoren müssten garantieren, dass sie im Bedarfsfall die aus dem Sozialplan erwachsenden Kosten übernehmen werden, sagte Wennemer bei der Überreichung der Petition. Markenrechte etwa an Semperit würden keine vergeben, auch eine Abnahme von Reifen komme nicht in Frage, erläuterte ein Conti-Sprecher die Bedingungen von Konzernchef Wennemer: "Wir wollen ja dezidiert 5 Mill. Reifen aus dem Markt nehmen." Und schließlich müsse sich der Verkauf "finanziell darstellen lassen".

Trauerkleidung

Begonnen hatte die friedlich verlaufene Demonstration um etwa 9.30 Uhr, die Belegschaften, die teilweise in Trauerkleidung angereist waren, protestierten mit Kreuzen und Särgen gegen die Ende vergangenen Jahres bekannt gegebenen Schließungen. Der Protest endete um etwa 12.00 Uhr. Neben Vertretern deutscher und schwedischer Gewerkschaften nahm von österreichischer Seite auch ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch an dem Protest teil.

Die Protestdemonstration habe zwar nicht zu einem Umdenken der Konzernspitze geführt, "aber ein bisschen betroffen haben die Herren schon gewirkt", erzählte Alfred Artmäuer, Betriebsratschef der Semperit Reifen nach der Rückkehr der österreichischen Demonstrationsteilnehmer am Montag. Mit der Aktion, hätten sich zum ersten Mal in der Konzerngeschichte Conti-Mitarbeiter aus verschiedenen Ländern zusammen getan, um sich auf der Straße gegen Schließungen zu wehren.

"Sozialplangelder gesichert"

Positiv bewertete Artmäuer die Conti-Forderung, dass bei einer Übernahme keine Sozialplangelder für die Produktion verwendet werden dürften. Für Knotzer hat Conti damit versprochen, bei einem Verkauf die Umsetzung des Sozialpaketes für die Mitarbeiter zu gewährleisten.

Durch die Schließungen gehen im niederösterreichischen Traiskirchen knapp 1.000, in Schweden rund 770 Jobs verloren. (APA)

Ansichtssache: Trauerkleidung gegen Schließung

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