Die thermobarische Bombe BLU-118S

3. März 2002, 13:48
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Menschenrechtsgruppen kritisieren neue US-Waffe

Washington - Für Menschenrechtsorganisationen ist der Einsatz der thermobarischen Bombe BLU-118S hart an der Grenze zur Verletzung internationaler Abkommen. Denn die von den USA am Samstag erstmals eingesetzte Waffe bietet praktisch keine Überlebenschance. Die lasergesteurte Bombe dringt in unterirdische Verstecke ein und tötet durch ihre heftige Schockwelle jedes Lebewesen. "Wenn eine herkömmliche Bombe an eine Mauer stößt, wird sie gestoppt. Bei der BLU-118S geht die Schockwelle um die Ecke", erklärt ein Sprecher der US-Truppen in Afghanistan, Marineleutnant Matthew Klee.

Die mit zwei Sprengköpfen ausgestattete Bombe funktioniert in zwei Schritten: Bei der ersten Explosion setzt sie ein entflammbares Gemisch frei, das sich in der Höhle verteilt. Eine zweite Explosion entzündet dann den Brennstoff. Die dabei entstehende Schockwelle verbreitet sich rasend schnell in Tunneln und Labyrinthen. Zerstört werden die Höhlen jedoch nicht. Die BLU-118S wurde eigens für den Kampf gegen den Terrorismus entwickelt. Nach einem Test in der Wüste von Nevada gaben die USA im Dezember offiziell den Weg für den Einsatz der neuen Bombe frei.

Einen Vorläufer der BLU-118S setzten die USA schon im Vietnam-Krieg ein. Die russische Armee griff Berichten zufolge Ende 1999 mit einer Bombe dieser Art mutmaßliche Verstecke tschetschenischer Rebellen in den Bergen des Kaukausus an. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kritisierte diesen Einsatz in einem Brief an den russischen Präsidenten Wladimir Putin wegen der großen Gefahr für das Leben von Zivilisten. Experten vergleichen thermobarische Bomben sogar mit kleinen Atombomben. Klee betont, die in Afghanistan eingesetzte Bombe sei auf ein Gebiet abgeworfen worden, in der sich nur "eine Handvoll Menschen" aufgehalten habe. (APA)

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