Maisreserve genbedroht

3. März 2002, 09:30
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Biodiversitätszentrum in Mexiko soll kontaminiert sein

Washington - Seit Forscher aus Berkeley in der mexikanischen Provinz Chiapas wilden Mais gefunden haben wollen, der mit Genmais kontaminiert ist, eskaliert der politische und wissenschaftliche Streit über den Befund. Stimmt er, könnte bald jeder Mais weltweit kontaminiert und die Agrar-Gentechnik insgesamt diskreditiert sein.

Begonnen hat alles im November, als die Forscher in Nature berichteten, sie hätten eine Kontamination gefunden, ausgerechnet in einem der sieben "Biodiversitätszentren", in dem die Genreserven der wichtigsten Nutzpflanzen der Erde gehegt werden: in Chiapas jene von Mais. Ist er dort kontaminiert, ist er bald überall kontaminiert.

Schlimmer noch wäre die Verunreinigung selbst: Man fand besondere Gene - "Promotorgene", die zusätzlich in Genpflanzen eingebaut werden, um die eigentlich wichtigen Gene zu fördern -, die beim Mais das ganze Genom instabil gemacht hätten. Das würde die Agrargentechnik insgesamt infrage stellen, da diese Gene in viele Pflanzen eingebaut werden.

Der Befund wurde vom mexikanischen Umweltministerium bestätigt, aber von anderen Forschern heftig kritisiert: Die Daten seien dürftig, und die Kontamination sei nicht auf den Feldern, sondern im Labor der Forscher erfolgt, die mit der sensiblen Analysemethode nicht umgehen könnten. Dagegen eilt den Forschern nun ein Bündnis von 144 Umweltgruppen aus 40 Ländern zu Hilfe, das sich jede "Zensur" verbittet und von der Welternährungsorganisation FAO ein Importverbot für Genpflanzen in alle "Biodiversitätszentren" fordert: In Mexiko darf Genmais nicht gepflanzt, aber als Nahrungsmittel importiert werden. (jl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2./3. 3. 2002)

Vgl. Science, Vol. 295, S. 1617
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