César-Verleihung: Amélie - der Film - räumt ab

3. März 2002, 13:46
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Vier Auszeichnungen für französischen Kassenschlager - Hauptdarstellerin Tautou geht leer aus - "Mullholland Drive" bester ausländischer Film

Paris - Der Kino-Kassenschlager "Die fabelhaft Welt der Amélie" von Jean-Pierre Jeunet geht als Sieger aus dem Rennen um den französischen Filmpreis "César" hervor, das französische Gegenstück zum amerikanischen "Oscar". Der Film erhielt am Samstag in Paris vier Auszeichnungen. Mit einem César für Annie Girardot als beste Nebendarstellerin in Michael Hanekes österreichisch-französischer Koproduktion "Die Klavierspielerin" kann auch Österreich einen kleinen Erfolg verbuchen.

Emmanuelle Devos beste Haupt-Darstellerin

Die märchenhaft-poetische Filmromanze über die Kellnerin vom Montmartre, die als gute Fee ihren Mitmenschen zum Glück verhilft, bevor sie selbst die große Liebe trifft, wurde zum besten französischen Film des Jahres 2001 gewählt. Der Film, der mit 13 Nominierungen im Rennen lag, kassierte außerdem die Preise für die beste Regie, den besten Soundtrack und die beste Dekoration. Den Preis für die beste Schauspielerin vergab die Jury jedoch nicht an "Amélie"-Darstellerin Audrey Tautou, sondern an Emmanuelle Devos für ihre Hauptrolle in dem Streifen "Sur mes lèvres" von Jacques Audiard.

"Amélie"-Regisseur Jeunet hat vor allem auch in Deutschland mit seinen bizarren Debütwerken "Delicatessen" und "Die Stadt der verlorenen Kinder" von sich reden gemacht. Im Laufe seiner Karriere als Filmemacher hat der 48-Jährige bereits fünf wichtige "Césars" erhalten. Doch auf die für "Amélie" ist er besonders stolz. "Der Erfolg von Amélie wird mir erlauben, das zu machen, was ich will", erklärte er nach der Vergabe. Schätzungen zufolge haben mehr als 15 Millionen Menschen "Die fabelhaft Welt der Amélie" gesehen. Der Streifen, der bei den vergangenen Filmfestspielen in Cannes völlig übergangen wurde, ist bei der begehrten "Oscar"-Vergabe im März als bester ausländischer Film nominiert.

David Lynch heimst Preis für besten ausländischen Film ein

Einen César als bester ausländischer Film erhielt "Mulholland Drive" von David Lynch, der bereits vor 20 Jahren für "Elephant Man" mit diesem begehrten französischen Preis ausgezeichnet wurde. Der amerikanische Filmemacher wird das diesjährige Filmfestival in Cannes präsidieren. Der Drehbuchpreis ging an Jacques Audiard und Tonino Benacquista für das Skript zu "Sur mes lèvres", einen Film, in dem es um die Erfahrungen einer tauben Angestellten geht.

Beste Nebendarstellerin: Annie Girardot in "Die Klavierspielerin"

Der Preis für den besten Schauspieler ging an Michel Bouquet für "Comment j'ai tué mon père" von Anne Fontaine. Für die beste Nebenrolle wurde, neben Annie Girardot als Mutter der "Klavierspielerin", noch André Dussolier (in "La chambre des officiers" von Francois Dupeyron) ausgezeichnet. Einen Ehren-"César" erhielten der englische Schauspieler Jeremy Irons (53), Anouk Aimée (69) und Claude Rich (73).

Der César, benannt nach dem 1998 gestorbenen Bildhauer César Baldaccini, der die Trophäe für die alljährlich vergebenen Filmpreise geschaffen hat, wird seit 1976 vergeben. Die Jury besteht aus rund 2.700 Mitgliedern der französischen Filmakademie. Die diesjährige Veranstaltung im Pariser Theatre du Chatelet leitete die französische Schauspielerin Nathalie Baye. Im vergangenen Jahr waren das Erstlingswerk "Lust auf Anderes" ("Le goût des autres") von Agnès Jaoui und der Thriller "Harry meint es gut mit Dir" mit jeweils vier Cesars die großen Sieger gewesen. (APA)

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