"Al Aksa-Märtyrer" tötet neun Israelis und sich selbst

3. März 2002, 00:42
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Rund 50 Verletzte bei Anschlag nach den Sabbat-Gebeten in Jerusalem

Jerusalem - Ein palästinensischer Selbstmordattentäter hat am Samstagabend in West-Jerusalem mindestens neun Menschen mit in den Tod gerissen und Dutzende weitere verletzt. Nach Angaben von Polizeichef Micky Levy zündete der Attentäter inmitten einer Menschenmenge in einem ultra-orthodoxen Viertel der Stadt "einen besonders starken" Sprengsatz, der mit Metallsplittern gespickt war. 57 Menschen wurden verletzt. Augenzeugen berichteten, der Mann habe sich als ultra-orthodoxer Jude verkleidet und die Bombe in einer Tasche bei sich getragen. Zu dem Anschlag bekannten sich am Abend die "Brigaden der El-Aksa-Märtyrer", der bewaffnete Arm der Fatah-Bewegung des palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat.

Der Attentäter zündete den Sprengsatz nach Rundfunkangaben zu dem Zeitpunkt, als zahlreiche jüdische Gläubige in dem zentralen Bezirk Beit Israel nahe dem ultra-orthodoxen Viertel Mea Shearim zum Abschluss des Sabbat die Synagogen verließen. Unter den Toten sind nach Polizeiangaben auch der palästinensische Selbstmordattentäter und ein kleines Mädchen. Dutzende Menschen wurden mit zum Teil schweren Verletzungen in die Krankenhäuser eingeliefert. Zahlreiche Rettungsfahrzeuge waren am Ort des Anschlags, die Polizei suchte die Umgebung weiträumig nach möglichen weiteren Sprengsätzen ab.

Bekenner-Anruf

Ein anonymer Anrufer, der sich als Vertreter der "El-Aksa-Märtyrer" ausgab, sagte zu westlichen Nachrichtenagenturen in Bethlehem, ein 19-jähriger Mann aus dem Flüchtlingslager Deheish bei Bethlehem habe den Anschlag verübt. Nach Angaben eines AFP-Reporters brach in dem Flüchtlingslager spontaner Jubel aus. Auch in der autonomen palästinensischen Stadt Ramallah kam es nach dem Bekanntwerden des Anschlags zu Freudenkundgebungen. Palästinensische Gruppen hatten bereits am Freitag blutige Vergeltungsanschläge für israelische Militäraktionen in zwei palästinensischen Flüchtlingslagern angedroht, bei denen seit Donnerstag mindestens 22 Palästinenser und zwei israelische Soldaten getötet wurden.

Verantwortungszuweisungen

Die palästinensische Autonomiebehörde verurteilte den Anschlag. In einer über die Nachrichtenagentur WAFA veröffentlichten Erklärung machte die palästinensische Führung zugleich Israels Ministerpräsident Ariel Sharon für die Eskalation der Gewalt verantwortlich und verurteilte die Offensive der israelischen Armee in den Flüchtlingslagern Balata und Jenin. Bei dem Großeinsatz der Armee in den Flüchtlingslagern im Westjordanland wurden seit Donnerstag mindestens 22 Menschen getötet und rund 200 verletzt. Palästinensische Extremisten hatten Vergeltung für die Offensive angekündigt. Ein israelischer Regierungssprecher erklärte unterdessen, der Einsatz der Armee in Balata und Jenin sei "praktisch beendet".

Ein Sprecher des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon erklärte in Jerusalem, die palästinensische Autonomiebehörde trage die volle Verantwortung für den Anschlag. Die Tat "im Herzen eines sehr religiösen Viertels" sei gut geplant gewesen, um so viele Menschen wie möglich beim Verlassen der Synagoge zu verletzen. Ein anderer Regierungssprecher betonte, der Anschlag sei das Ergebnis der "Strategie Arafats", der "allen palästinensischen Organisationen grünes Licht" zum Töten gegeben habe. (APA)

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