Gewaltausbruch in Mazedonien

2. März 2002, 15:24
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Acht Tote nach Schießerei zwischen Polizei und "Terroristen" - Skopje ortet Verbindungen zu inhaftierten Islamisten

Skopje - Nach monatelanger Ruhe sind am Samstag in Mazedonien bei einem neuen Ausbruch der Gewalt acht Menschen getötet worden. Nördlich der Hauptstadt Skopje erschoss die Polizei nach Angaben des Innenministeriums sieben "Terroristen", die eine Polizeistreife angegriffen hätten. Bei den Getöteten könne es sich um Albaner oder pakistanische Mitglieder einer fundamentalistischen islamischen Terrorgruppe handeln, sagte Innenminister Ljube Boskovski. Sie hätten Anschläge auf wichtige Einrichtungen wie Regierungsgebäude und Botschaften geplant. In Tetovo kam bei einer Schießerei ein Albaner ums Leben.

Es werde auch nach möglichen Verbindungen zu einer vor zwei Wochen festgenommenen "Extremistengruppe" (zwei Bosnier und zwei Jordanier) geforscht, die Pläne von ausländischen Botschaften und mazedonischen Regierungsgebäuden bei sich hatte. Deswegen seien die Sicherheitsvorkehrungen besonders um die deutsche und US-Botschaft in Skopje verstärkt worden, sagte der Minister.

Der Zusammenstoß zwischen den "Terroristen" und der Polizei ereignete sich 15 Kilometer nördlich der Hauptstadt an den Hängen des Berges Skopska crna gora in der Nähe des Ortes Ljubeton, der im vorigen Jahr monatelang Schauplatz von gewaltsamen Zusammenstößen zwischen der albanischen Minderheit und der mazedonischen Polizei war. Die Polizei fand nach eigenen Angaben Sturmgewehre vom russischen Typ AK47, mehrere Handgranaten und Munition am Ort des Gefechts. Außerdem seien Schulterstücke der nach dem Friedensabkommen von Ohrid im August 2001 formell aufgelösten Nationalen Befreiungsarmee der albanischen Minderheit sicher gestellt worden.

Bei einer Schießerei in einem Kaffeehaus in der mehrheitlich von Albanern bewohnten Stadt Tetovo wurde am Freitagabend ein Albaner getötet und ein anderer schwer verletzt. Ebenfalls in Tetovo verletzten Unbekannte außerdem zwei Polizisten. Der Überfall ereignete sich während der nächtlichen Ausgangssperre.

Internationale Beobachter sollen in Mazedonien unter dem Schutz einer von Deutschland geführten Sicherheitstruppe Zusammenstöße zwischen der slawischen Mehrheit und albanischen Minderheit in Mazedonien verhindern und die Umsetzung des Friedensabkommens mit mehr Rechten für die ethnischen Albaner überwachen. Dies sorgte bisher weitgehend für Ruhe. Inzwischen nehmen Befürchtungen zu, aus Unzufriedenheit mit der langsamen Umsetzung einzelner Bestimmungen könnten Splittergruppen der Rebellen das Land wieder destabilisieren. Rund ein Drittel der zwei Millionen Einwohner Mazedoniens sind Albaner. Boskovski erklärte, er könne keine Vorbereitungen für eine größere Offensive erkennen.(APA/dpa/AP/Reuters)

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