WADA-Chef Pound: "Leugnen zu wollen, ist Blödsinn"

2. März 2002, 11:33
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"New York Times": "Österreicher nicht nur Schmutzfinken, sondern höchstwahrscheinlich auch Betrüger"

Washington - Nach dem Fund von Bluttransfusionsgeräten in einem von österreichischen Langläufern während der Olympischen Winterspiele in Salt Lake City genutzten Privathaus fordert der Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), Richard Pound, eine Aufklärung der Vorfälle. "Etwas leugnen zu wollen, ist Blödsinn", sagte Pound.

"Seltsame Funde im Abstellraum"

Die "New York Times" (Freitagausgabe) widmet dem Thema Doping einen Bericht unter dem Titel "Seltsame Funde im Abstellraum". Abgedruckt wurde ein AP-Foto der im Haus der Österreicher gefundenen Gerätschaften: Mehrere noch mit Blut gefüllte Plastikschläuche, Transfusionsbeutel mit Blutresten und Flaschen, wie sie etwa für Infusionslösungen benutzt werden.

"Am Mittwoch haben Arbeiter versteckte Bluttransfusions-Geräte in einem Haus gefunden, das von Österreichs nordischem Ski-Team gemietet worden war. Die Österreicher waren nicht nur Schmutzfinken, weil sie nicht aufgeräumt haben, sondern höchstwahrscheinlich auch Betrüger. Ein österreichischer Funktionär habe allerdings von einem großen Missverständnis gesprochen, weil die Gerätschaften, inklusive der Blutbeutel, zu einer normalen medizinischen Behandlung gehörten", heißt es in dem NYT-Artikel trocken.

Glanz verloren

"Was ist mit dem Hippokratischen Eid passiert?", fragt Pound. Und was sei mit dem Grundsatz geschehen, niemanden zu verletzen? Der Norweger Johann Olav Koss tritt dafür ein, dass des Dopings überführte Sportler ihre vorher erworbenen Medaillen nicht behalten dürfen. Die nationalen Sportverbände sollten selbst die Überprüfung "verdächtiger" Medaillen anregen und durchführen, fordert der ehemalige Eisschnellläufer, der derzeit Mitglied des Internationalen Olympischen Commitees (IOC) ist. Für den NYT-Autor haben die drei im Langlauf und Biathlon gewonnenen ÖSV-Medaillen "ihren Glanz verloren".

Der norwegische Doping-Experte Inggard Lereim bezeichnete inzwischen dieses Vorgehen innerhalb des österrreichischen Langlauf-Mannschaft als "unethisch und gegen die medizinische Praxis." Wenn die Läufer so krank waren wie ihre Ärzte und sportlichen Leiter behaupten, hätten sie seiner Auffasung nach laut den geltenden Vorschriften vom medizinischen Dienst der Olympia-Veranstalter behandelt werden sollen, sagte Lereim am Freitag gegenüber dem norwegischen Rundfunk NRK. (APA)

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