Spur der Zerstörung nach Abzug der Armee Israels aus Flüchtlingslager

3. März 2002, 14:07
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Opferbilanz: 26 Tote in Jenin und Balata vor

Jerusalem - Die israelische Armee hat nach ihrem Abzug aus den palästinensischen Flüchtlingslagern in Jenin und Balata am Sonntagmorgen eine Spur der Zerstörung und Verwüstung hinterlassen. Nach palästinensischen Angaben sind 24 Bewohner der Camps sowie zwei israelische Soldaten seit Beginn der israelischen Militäroffensive am vergangenen Donnerstag ums Leben gekommen. 200 weitere Personen, darunter viele Frauen und Kinder, seien verletzt worden.

Bewohner des Balata-Lagers bei Nablus, wo rund 20 000 Vertriebene und Flüchtlinge seit 1948 leben, beschwerten sich über die Behandlung durch israelische Soldaten. Beispielsweise seien Großfamilien während der Hausdurchsuchungen über Stunden in einen Raum zusammengepfercht worden. Müttern sei verboten worden, in ihre Wohnungen zurückzukehren, um ihre Babys zu stillen. Die Eingesperrten hätten weder Medikamente noch Lebensmittel aus der Küche oder Nachbarräumen holen dürfen. Eine 60-jährige Frau soll angeschossen worden sein, nachdem sie sich über das Vorgehen der Soldaten beschwert hatte.

Nachdem ein Generator bei dem Angriff einer israelischen Eliteeinheit zerstört worden war, muss die Hälfte der Bewohner in Balata den Angaben zufolge ohne Strom auskommen.

Palästinensische Augenzeugen sprechen von einer Spur der Verwüstung, die die israelische Armee in beiden Lagern hinterlassen hat. Allein in Balata sollen 300 Häuser zerstört oder schwer beschädigt worden sein. Nach den Hausdurchsuchungen hätten die israelischen Elitesoldaten kaputte Fernseher, Möbel, Computer und Fensterscheiben zurückgelassen.

Um sich angeblich besser vor bewaffneten Palästinensern zu schützen, hatten die Soldaten Wände gesprengt und waren so von Haus zu Haus gelangt. Einige Häuser wurden nach palästinensischen Angaben auch aus der Luft beschossen.

Die israelische Armee hatte den erstmaligen Einmarsch in beide Flüchtlingslager mit der Jagd nach Terroristen und der Zerstörung der Infrastruktur von Terrorzellen begründet. Eine Anzahl von gesuchten militanten Palästinensern ist nach Angaben der Armee festgenommen oder verletzt worden. Außerdem seien Waffen, Raketenteile, sieben Sprengstoffgürtel für Selbstmordanschläge und Propagandamaterial sicher gestellt worden. (APA/dpa)

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