Heuer ungewohnt farblose Modeschauen in Mailand

2. März 2002, 16:34
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Erst 2003 rechnen ExpertInnen mit einem Ende der Modekrise

Mailand - Bei den gegenwärtig stattfindenden Mailänder Modeschauen geht es nicht so bunt zu wie gewohnt. Zurückhaltung wird nicht nur bei den Farben geübt. Auch die EinkäuferInnen zeigen sich vorsichtig. Denn die nach den Terroranschlägen auf New York im vergangenen September eingetretene Modekrise ist noch keineswegs passé.

Das auf Mode spezialisierte Marktforschungsinstitut Pam- bianco rechnet erst 2003 mit einer Erholung. Der Auftragseingang ist im ersten Halbjahr 2002 am inländischen Bekleidungsmarkt um acht Prozent, im Ausland um zwölf Prozent zurückgegangen. Noch drastischer fiel die Rezession im Textilsektor mit 18 Prozent weniger Auslandsaufträgen und 15 Prozent weniger Inlandsaufträgen aus.

Inzwischen rüsten sich die einzelnen Konzerne für die Krise. Der Textil- und Bekleidungsgigant Marzotto aus Vincenza, der mit der Mehrheitsbeteiligung beim deutschen Nobelkonzern Hugo Boss das Geschäft seines Lebens machte, versucht einen weiteren Volltreffer. Marzotto verhandelt über die Übernahme von Valentino.

Valentino

Das einstige Kultunternehmen Valentino ist, nachdem es von der Beteiligungsgesellschaft HdP übernommen wurde, in die roten Zahlen gerutscht. 200 Mio. Euro will Marzotto für die Marke zahlen, weitere 200 Mio. Euro müssten für die Schuldenübernahme hingeblättert werden. Bei Marzotto läuft Ende 2002 die Produktionslizenz für die Ferré-Kollektion aus.

Gucci

Auf Expansionskurs befindet sich auch der Gucci-Konzern, der dem Vernehmen nach Jil Sander übernehmen will. Denn die Prada-Gruppe befindet sich in einer Schuldenkrise, die bei der gegenwärtigen Finanzmarktlage nicht einfach zu lösen ist. Gerüchte, wonach Prada auch Helmut Lang abgeben will, werden vom Konzern - nicht aber von Branchenkennern - dementiert. Der italienische Modekonzern Byblos, den Prada 2001 erwarb, steht jedenfalls auf der Verkaufsliste.

Armani

Modezar Giorgio Armani beschränkt seine Expansion auf den Ausbau der Superboutiquen. Allerdings trägt Armani der Krisenzeit Rechnung und eröffnet nun neue ArmaniCollezioni-Shops, welche die Edelklamotten bis zu 20 Prozent billiger als in den Armani-Nobelläden anbieten.

Auch andere Modegrößen, wie etwa Gucci, Benetton und Finpart, investieren zurzeit in den Ausbau des Vertriebs. Im Handel seien größere Margen zu holen als in der Produktion, begründete Luciano Benetton die Investitionspolitik. Gegen den Trend entwickelt sich der Luxuswarenhersteller Bulgari (Schmuck und Accessoires), der in neue Geschäfte und Hotels investiert. Im Mailänder Künstlerviertel Brera entsteht ein Superluxushotel mit einer Innenausstattung "made by Bulgari". (tkb/DER STANDARD, Printausgabe 02.03.2002)

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