Im Park von Göteborg

1. März 2002, 19:51
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Krimi und Kritik zugleich: Ake Edwardsons "In alle Ewigkeit"

Der schwedische Journalist und Sachbuchautor Ake Edwardson ist ein würdiger Vertreter der speziellen Abart des skandinavischen Thrillers, der sozialkritisch bis mieselsüchtig daherkommt und ausgeprägte Charaktere bevorzugt. Die Folie für Edwardsons ausgefeilte Krimis bildet im Grunde die Frage, wieso es zu einer Entsolidarisierung und Brutalisierung in einer Gesellschaft kommt, die zu den saturiertesten überhaupt gehört.

Edwardsons Kommissar Erik Winter ist jedenfalls verwandt mit dem Kollegen Wallander aus Hennig Mankells Bestsellern. Allerdings hat der Autor seinem Ermittler inzwischen eine Familie mit Kleinkind verpasst und die Schwierigkeiten, Privatleben und Beruf zu vereinen, machen einen nicht geringen Teil des neuen Romans aus (was wiederum an die ebenfalls schwedische Krimiautorin Liza Marklund erinnert).

Winter hat es diesmal mit einem besonders vertrackten Fall zu tun. Ein Serienmörder geht um im Park von Göteborg. Die Biografien der Opfer ähneln einander. Die Mädchen haben gerade die Schule beendet, sie feiern, sind nachts unterwegs, ohne dass ihre Eltern genau wissen was sie treiben; ihre Freunde geben vor, keine Ahnung zu haben. Winter hat bald die Vermutung, dass es sich um den selben Täter handeln muss, auch wenn Jeanette, das jüngste Opfer mit dem Leben davongekommen ist. Irgendetwas stimmt nicht in der Familie des schwer verstörten Mädchens, Winter bekommt den Grund nicht zu fassen. Also bleibt nichts übrig als Knochenarbeit, jedem winzigsten Hinweis nachzugehen und sich dabei in einem Wettlauf mit der Zeit zu befinden, denn Winter ahnt, dass der Killer auf seine nächste Gelegenheit lauert.

Winter ist kein allwissender, superschlauer Übermensch. Wenn es gilt, das Leben eines verschwundenen Kollegen zu retten, rastet er schon mal aus und schlägt einen Ganoven, der nicht reden will, krankenhausreif. Die Dialoge bestehen aus lakonischen, kurzen Sätzen. Fragmente, Andeutungen, schneller Wechsel des Szenarios machen Tempo.

Die klare Konstruktion kommt am Ende in wenig ins Trudeln, wenn sich die Ereignisse überschlagen und zu viele Fäden auf einmal verknüpft werden müssen. Dennoch ist auch dieser Band nach Die Schattenfrau und Das vertauschte Gesicht als Unterhaltung auf hohem Niveau zu empfehlen.
(Von Ingeborg Sperl - DER STANDARD; Album, Sa./So., 2.3.2002)

Ake Edwardson, In alle Ewigkeit. Aus dem Schwedischen von Angelika Kutsch. EURO 22.70/ 351 Seiten. Claassen, München 2002.

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