Guter Frad war teuer: Präsident ohne Reich

1. März 2002, 19:45
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Herwig Frad, Präsident des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger

Im September war für Herwig Frad die Welt noch in Ordnung. Der humorige Christgewerkschafter blieb nach den Attacken der FPÖ auf Hans Sallmutter und der Bestemmhaltung der roten Gewerkschafter als Kompromissvariante übrig - und war plötzlich neuer Präsident des Hauptverbandes. Angestrebt hat der 60-Jährige den Job nicht, ihn aber bald als finalen Höhepunkt einer Beamten- und Gewerkschaftskarriere gesehen und mit Verve ausgeübt.

Ein "Hutschenschleuderer" wollte er sein, und das war er anfangs auch, zumindest verbal: Laut hegte er Sozialversicherungsideen, schloss Selbstbehalte nicht aus, Beitragserhöhungen auch nicht, dachte Gesundheitsaufschläge auf Zigaretten an, Pensionsreformen auch, forderte jedenfalls Entscheidungen ein, untermauert mit energischem "Ha!". Gut, in dieser medialen Hutschenschleuderzeit unterlief ihm manch kleiner Fauxpas. So verwechselte er Höchstbemessungs- mit Beitragsgrundlage, und der Vergleich der Gewerkschaftsattackierer mit den Taliban kam bei der FPÖ nicht gut an. Aber abgesehen davon wurde er seinem Ruf als Fachmann gerecht - seinem Image als Bildungsbürger, Typus Konzerthaus-Abonnent, weniger.

Blöd bloß, dass das Machtvakuum im Hauptverband im Jänner endete. Um Frad herum wurde das neue Management bestellt. Und Frad, der seit September sagte, dass er gern kämpferisch wie Sallmutter wäre, der war nicht mehr Sallmutter-Nachfolger. Denn diese Funktion hatte mit Hauptverbandsgeschäftsführer Josef Kandlhofer nun ein anderer.

Und damit begann für Frad die Welt nicht mehr in Ordnung zu sein. Zeit seines Lebens war er gewohnt, politisch oder gewerkschaftlich zu arbeiten: Während seines Jus-Studiums als ÖH-Vertreter in Graz, dann als Personalvertreter, dann im Vorstand der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst, dazu als Bezirksvorsteher-Vize in Wien-Währing. Eigentlich war Frad Beamter im Gesundheitsministerium, vor allem aber Personalvertreter. Für den der Sonderurlaub nichts Besonderes war und für den es keinen Grund gab, als Hauptverbandspräsident nicht auf bezahltem Sonderurlaub zu sein.

Nur: Mit den neuen Strukturen war der Präsident weniger wichtig. Dass Frad den Sonderurlaub tollpatschig verteidigte, Pflichtbälle als Bürden des Amtes anführte, tat sein Übriges: Kein Sonderurlaub, er muss zu 80 Prozent als Beamter arbeiten. Und stand damit im Zentrum einer Privilegiendebatte, ohne recht zu wissen, wie ihm geschah.

Frad hat aus all dem die Konsequenzen gezogen - er redet nicht mehr so gern mit den Medien. Sondern lieber mit seinen drei Kindern oder seiner Frau. Oder mit seinem Schäferhund, wenn er seinem Lieblingshobby frönt, mit ihm spazieren zu gehen. (DER STANDARD, Print vom 2./3.3.2002)

Von Eva Linsinger
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