"Powerplay" in der SPÖ Steiermark

2. März 2002, 16:30
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Franz Voves, Ex-Eishockeycrack und Versicherungsmanager, mit 99,25 Prozent zum neuen Landespartei-Chef gewählt

Graz - "Powerplay" hieß es zum Einstand für den neuen steirischen SPÖ-Chef Franz Voves (49): Der ehemalige Eishockey-Nationalspieler und zuletzt Versicherungsmanager wurde am Samstag beim Landesparteitag mit 99,25 Prozent zum neuen SP-Landeschef gewählt. Voves löst in dieser Funktion Peter Schachner-Blazizek (59) ab, der zwölf Jahre lang Parteivorsitzender war. Voves zeigte sich entschlossen, der Landes-SP wieder Terrain zu verschaffen. Dem bei der Kür anwesenden Bundesparteivorsitzenden Alfred Gusenbauer sagte Voves volle Unterstützung für die Kanzlerkandidatur zu.

Der Parteitag sollte, wie auch der scheidende Chef Peter Schachner betonte, einen "Neuanfang" und "Neubeginn" setzen. Seit den Landtagswahlen 2000 war die steirische SP mit 32,3 Prozent nicht nur auf einen historischen Tiefststand gesackt, in den vergangenen Monaten hatten innerparteiliche Querelen um die Schachner-Nachfolge die Partei an den Rand einer Zerreißprobe geführt. Auf diese unerquicklichen Vorgänge nahm Schachner am Samstag vor rund 1.500 Anwesenden nur kurz Bezug und legte ihnen seinen Nachfolger ans Herz: "Er braucht Euch", rief Schachner ins Publikum. Die Partei zeigte sich zum Schluss versöhnlich und machte Peter Schachner unter heftigem Applaus zum Ehrenvorsitzenden.

Der "Neue", der als "Quereinsteiger" die Parteispitze erklommen hat, versprach, sich für die Schwächeren der Gesellschaft einzusetzen. Er wisse als langjähriger Manager um die Mechanismen des "Turbokapitalismus". Voves sprach sich für eine "Rückgewinnung der Politik über die Ökonomie" aus. Politisch kritisierte er die ÖVP-FPÖ Bundesregierung heftig und forderte entschieden einen Kurswechsel: "Wir brauchen einen Bundeskanzler namens Alfred Gusenbauer". Der Bundesparteichef lobte seinerseits Franz Voves und übte heftige Kritik an der ÖVP-FPÖ-Koalition: In der Bundesregierung säßen "Minderleister", die ständig ihrerseits von der Leistung sprechen. Gusenbauer wandte sich in seinem Referat noch einmal entschieden gegen den Kauf von Abfangjägern: Für das Bundesheer seien Abfangjäger "nicht prioritär" und außerdem der Bevölkerung, der ständig gesagt würde, es müsse gespart werden, nicht zuzumuten.

Auf Landesebene übte der neue SPÖ-Chef Voves vorsichtige Zurückhaltung: Das von VP-Landeshauptfrau Waltraud Klasnic angebotene "Miteinander" entspreche auch seiner Lebenshaltung, allerdings werde es eine Zusammenarbeit mit der ÖVP nur dann geben, "wenn sie sich wieder ihrer christlichen, sozialen Wurzeln besinnt". Für den kommenden Herbst kündigte Voves eine Programminitative mit dem Titel "Power Plan" an. Diese soll Grundlage für die nächsten Landtagswahlen in drei Jahren sein. Bis dahin will der neue SP-Chef mit einer komplett erneuerten Regierungsmannschaft der ÖVP Parole bieten und zumindest die absolute Mehrheit der ÖVP in der Landesregierung brechen. (APA)

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