Proteine als "Schrittmacher" für das Gedächtnis

2. März 2002, 08:00
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Entdeckung bringt Fortschritt bei Verständnis von Lern- und Krankheitsvorgängen

Göttingen - Göttinger Forscher haben Proteine gefunden, welche die Übertragungsleistung von Nervenzellen steuern. Bei Experimenten mit genetisch veränderten Mäusen entdeckten sie, dass die so genannten Munc13-Proteine als "Schrittmacher" für das Gedächtnis wirken. Diese Erkenntnisse seien von grundlegender Bedeutung für das Verständnis von Lern- und Krankheitsvorgängen im Gehirn, teilte das Max-Planck-Institut in Göttingen mit.

Wie die Leiter der Forschungsteams, Christian Rosenmund und Nils Brose, erläuterten, wird die geordnete Datenverarbeitung im menschlichen Gehirn durch ein Netzwerk von 100 Milliarden Nervenzellen garantiert. Für die Übertragung von Informationen seien spezialisierte Kontaktstellen, so genannte Synapsen, verantwortlich. Elektrische Impulse in einer sendenden Nervenzelle setzten Botenstoffe frei, die von anderen Nervenzellen empfangen würden. Die Effektivität dieses Übertragungsprozesses könne von den beteiligten Zellen genau reguliert werden.

Störung der "Zweikanal-Technik"

Der Studie zufolge können die Synapsen einer Nervenzelle von diesen Munc13-Varianten so gesteuert werden, dass sie Informationen gewissermaßen synchron über zwei Kanäle an andere Nervenzellen übertragen können. Wechsle der Übertragungskanal in einer Nervenzelle, verändere sich auch die Qualität der Information. Signale würden verstärkt oder abgeschwächt, Informationen gelernt oder vergessen. Sobald diese "Zweikanal-Technik" gestört werde, könnten Krankheiten von Gedächtnisproblemen bis zu Schizophrenie auftreten, betonten Rosenmund und Brose.

Die Forscher stellten auch fest, dass eine unterschiedliche Ausrüstung mit Munc13-Varianten dramatische Konsequenzen für die Eigenschaften der betroffenen Synapsen habe. "Enthalten sie Munc13-1, so führt eine dauerhafte Reizung zu einer schnellen und ausgeprägten Ermüdung. Sind sie hingegen mit Munc13-2 ausgestattet, funktionieren sie selbst bei sehr hohen Aktivitätsraten und entsprechend hoher Belastung äußerst zuverlässig", erklärten die Wissenschafter. Synapsen mit Munc13-1 eigneten sich deshalb für die Übertragung von plötzlichen Veränderungen, während Synapsen mit Munc13-2 der Übertragung etwa der Körpertemperatur oder des Blutdrucks dienten. (APA/AP)

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    foto: photodisc
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