Überraschung bei genetischer Decodierung

3. März 2002, 14:30
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Spalthefe enthält Gene, die mit menschlichen Krankheiten im Zusammenhang stehen, darunter die Hälfte mit Krebs

Berlin - Ein europäisches Forscherteam hat den genetischen Code der Spalthefe komplett entschlüsselt. Unter den 4.824 Genen dieses bereits vor einer Milliarde Jahre entstandenen Organismus fanden die Wissenschafter überraschend auch 50 Gene, die mit menschlichen Krankheiten im Zusammenhang stehen, darunter die Hälfte mit Krebs. Das berichtete das Berliner Max-Planck-Institut für molekulare Genetik.

Die Spalthefe (Schizosaccharomyces pombe) ist ein einzelliger frei lebender Pilz, der viele Eigenschaften ähnlich den Zellen wesentlich komplizierterer mehrzelliger Lebewesen hat. Der "Methusalem" entwickelte sich von der Bäckerhefe vor etwa 330 bis 420 Millionen Jahren und von den Pflanzen vor über einer Milliarde Jahren Jahren weg, wie Richard Reinhardt vom Max-Planck-Institut erklärte.

Spalthefe enthalte die kleinste Zahl von Genen, die bisher in einem Lebewesen festgestellt worden sei, dessen DNA sich wie beim Menschen im Zellkern befinde, hieß es. Die Wissenschafter hätten Gene identifizieren können, die sehr wichtig für die Zellorganisation von Lebewesen und offensichtlich über den langen Zeitraum von einer Milliarde Jahren konserviert geblieben seien.

Erstaunen

"Es war schon erstaunlich, bei einer in der Evolution so früh entstandenen Lebensform Gene zu entdecken, die den Genen beim Menschen ähnlich sind", sagte Reinhardt. Unter den 4.824 Genen von Schizosaccharomyces pombe befanden sich zur Überraschung für die Forscher auch 50, die beim Menschen eng im Zusammenhang mit bestimmten Krankheiten wie Krebs, zystischer Fibrose, erblicher Taubheit und nicht Insulin abhängiger Diabetes auftreten.

Die Spalthefe soll den Wissenschaftern nun helfen, Krebs und andere Krankheiten besser zu verstehen und auch zu heilen. Hefezellen seien viel einfacher zu studieren als menschliche, da man an ihrem Modell viel schneller verstehen könne, was von den einzelnen Genen gesteuert werde und wie einzelne Gene an der Entstehung von Krebs oder anderen Krankheiten beteiligt seien. Anhand dieses winzigen Organismus könnten jetzt Funktionen in den viel komplexeren menschlichen Zellen verstanden werden, betonte Reinhardt. (APA/AP)

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