Blair rechnet mit längerem Kommando über Kabul-Sicherheitstruppe

1. März 2002, 17:00
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Großbritannien verhandelt mit Türkei als Nachfolger - Neue Kämpfe in Afghanistan

London/Paris/Islamabad - Der britische Premierminister Tony Blair rechnet nicht mehr mit einer planmäßigen Ablösung im Kommando der Internationalen Sicherheitstruppe für Afghanistan (ISAF) Ende April. "Ich hoffe sehr, dass wir den Zeitplan einhalten können, den wir uns gesetzt haben, aber wenn wir ihn um ein paar Tage oder Wochen verfehlen, dann wäre das meiner Ansicht nach nicht wichtig", sagte Blair auf dem Weg zum Commonwealth-Gipfeltreffen in Brisbane.

Großbritannien versuche nach wie vor, die Türkei zur Übernahme des Kommandos zu bewegen: "Wir sprechen derzeit mit der Türkei, damit die Türkei die Führung der Truppe übernehmen kann, und ich bin optimistisch, dass das auch geschehen wird", sagte Blair. Die Regierung in London hatte erklärt, sie wolle rund 1.500 britische Soldaten als Teil der ISAF nur sechs Monate - bis Ende April - in Afghanistan lassen und sich dann zurückziehen.

Im Verteidigungsministerium in London hieß es allerdings, es sei immer geplant gewesen, dass Großbritannien auch anschließend noch in Afghanistan präsent sein werde, allerdings nicht in einer Führungsrolle. "Was wir in Afghanistan erreicht haben, ist sehr beachtlich, und wir müssen in einer ordentlichen Weise das Kommando übergeben, damit nichts von dem Gewonnenen verloren geht", sagte Blair.

"Dauerhaftes" Engagement Frankreichs

Frankreich bekräftigte ebenfalls sein "dauerhaftes" Engagement in Afghanistan. "Wir bleiben dauerhaft an der Seite unserer afghanischen Freunde engagiert", sagte der Außenminister Hubert Vedrine nach einem Gespräch mit dem Chef der afghanischen Übergangsregierung, Hamid Karsai, in Paris. Vedrine bestätigte, dass Frankreich seine Präsenz in der ISAF verlängern werde. Die 520 französischen Soldaten sollten ursprünglich bis April bleiben.

Bis spätestens Ende März soll entschieden sein, ob und zu welchen Konditionen Deutschland die taktische Führung der multinationalen Brigade in Kabul übernimmt. Derzeit liefen die Abstimmungen mit der britischen "Lead Nation", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin. Die Führungsverantwortung durch das deutsche ISAF-Einsatzkommando solle ausschließlich im Raum der Hauptstadt Kabul liegen. Damit verbunden seien keine Aufgaben der "Lead Nation".

Innerhalb der afghanischen Nordallianz ist es zu neuen Kämpfen gekommen. Usbeken-General Abdul Rashid Dostum eroberte den Distrikt Sholgara im Norden des Landes. Seine Miliz vertrieb die Kämpfer von Atta Mohammed, der zum Lager von Burhanuddin Rabbani gehört, meldete die in Pakistan ansässige afghanische Nachrichtenagentur AIP. Dostum ist stellvertretender Verteidigungsminister unter Karsai. Dostum hat während der vergangenen beiden Jahrzehnte mehrfach die Seiten gewechselt. (APA/dpa/AP)

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