Spektakulärer Fund auf einer US-Farm

2. März 2002, 07:30
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Eine Ausgabe des Meilensteins "Nürnberger Chronik" wurde entdeckt

Camden/USA - Einen spektakulären Fund hat die Buchhändlerin Barrie Pribyl in einem Farmhaus im US-Staat Maine gemacht. Sie entdeckte eine Ausgabe der berühmten 500 Jahre alten "Nürnberger Chronik". Der fast 600 Seiten starke Wälzer gilt als Meilenstein der Druckgeschichte und ist bis zu 80.000 Dollar (92.475 Euro) wert.

Pribyl wurde von einem Geschäftspartner auf die Farm nahe Camden gerufen, der dort den Haushalt seiner Eltern auflöste. Diese waren zwar keine Sammler, besaßen aber einige kostbare Bücher. "Er hat mich angerufen und gesagt: 'Ich glaube, wir haben hier eine Gutenberg-Bibel.'" Als ganz so spektakulär erwies sich der Fund dann zwar nicht - doch enttäuscht wurde Pribyl keineswegs. Mit Hilfe einer Internet-Recherche identifizierte die Buchhändlerin die 1493 gedruckte "Nürnberger Chronik", eines der bedeutsamsten illustrierten Bücher seiner Zeit.

Inhalt des Werkes

Das Werk des Arztes Hartmann Schedel enthält eine umfassende enzyklopädische Weltchronik, die mit der Schöpfungsgeschichte beginnt. Es enthält mehr als 1.800 Illustrationen und Landkarten, die auf Holzschnitte unter anderem von Albrecht Dürer, Michael Wohlgemuth und Wilhelm Pleyenwurff zurück gehen. Der Nürnberger Verleger Anton Koberger druckte insgesamt 2.500 Exemplare in einer mittelhochdeutschen und einer lateinischen Ausgabe. Schätzungen zufolge existieren davon weltweit noch rund 1.200 Stück.

Nach Angaben von Pribyl möchte der anonyme Eigentümer seine "Nürnberger Chronik" vermutlich behalten. Er habe ihr erzählt, dass seine Eltern zwar nie über das alte Buch gesprochen, es jedoch wie einen Augapfel gehütet und vor jedem Lichtstrahl geschützt hätten. Zu diesem Zweck hätten sie immer andere Bücher darauf gestapelt.

Bis vor 40 Jahren lag der Preis für eine Ausgabe der "Nürnberger Chronik" noch relativ niedrig bei rund 1.500 Dollar, wie der Wissenschafter Terry Belanger von der Universität von Virginia erklärte. Heute würden dafür bis zu 125.000 Dollar verlangt. Die meisten Exemplare befinden sich in Privatbesitz. Das Besondere an der "Nürnberger Chronik" ist laut Belanger ihre Bebilderung. "Die Illustrationen springen dem Betrachter buchstäblich entgegen", sagte der Experte. (APA/AP)

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