Wehrmachtsausstellung erhält Subvention vom Wiener Gemeinderat

1. März 2002, 16:04
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Umstrittene zeitgeschichtliche Schau erhält 50.871 Euro

Wien – Die Stadt Wien wird die Präsentation der Wehrmachtsausstellung des Hamburger Instituts für Sozialforschung, die vom 9. April bis 26. Mai im Semperdepot gezeigt wird, mit 50.871 Euro unterstützen. Das hat der Gemeinderat am Freitag gegen die Stimmen der Freiheitlichen beschlossen. Wien ist nach der Überarbeitung und Umbenennung in "Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944" für die zeitgeschichtliche Schau der dritte Ausstellungsort nach Berlin und Bielefeld. In der ersten Fassung war die Ausstellung bereits im Herbst 1995 in der Bundeshauptstadt zu sehen.

Der freiheitliche Gemeinderat Harald Stefan begründete die Ablehnung nicht zuletzt damit, dass die SPÖ die erste Ausstellung trotz ihrer Fehler für gut geheißen habe. Auch verwies er darauf, dass auch die neue Schau die These von der Wehrmacht als Mörderbande vertrete, obwohl es eine allgemeine Wehrpflicht gegeben habe.

Die ÖVP hingegen stimmte nun zu. Noch im Dezember hatte sie einen Antrag im Gemeinderat, die Ausstellung nach Wien zu holen, abgelehnt, weil man die Schau nicht kenne. Nun habe man aber einen Historiker nach Deutschland geschickt und die nötigen Informationen eingeholt, so Gemeinderat Andreas Salcher. Der ÖVP-Politiker betonte die Notwendigkeit der Aufarbeitung der Vergangenheit.

Michael Ludwig (S) betonte, die Ausstellung richte sich gegen die Wehrmacht und nicht gegen einzelne Angehörige. Auch bei der ersten Fassung der Ausstellung habe sich letztlich herausgestellt, dass weniger als 20 Fotos nicht zum Ausstellungsthema "Wehrmacht" passten.

Martin Margulies (G) meinte, allein die Ablehnung der Freiheitlichen mache die Ausstellung nötig. In der FPÖ bestehe offenbar keine Bereitschaft zur Aufarbeitung der Vergangenheit. Der Grün-Politiker forderte eine stärkere Bewerbung der Ausstellung ein.

Die "Wehrmachtsausstellung" sorgt seit ihrer ersten Präsentation im Jahr 1995 für heftige Debatten. Dies gilt auch für die bisher sechs österreichischen Ausstellungsorte. Nach Kritik an der wissenschaftlichen Fundierung der Schau war die Ausstellung vom Hamburger Institut für Sozialforschung und seinem Leiter Jan Philipp Reemtsma im Herbst 1999 zurückgezogen worden. Die Neufassung wurde seit vergangenem Herbst in Berlin und Bielefeld gezeigt.

Die Schau präsentiert sich jetzt mit 1.000 Quadratmetern doppelt so groß wie die alte und mit deutlich mehr Beweisen für die Beteiligung deutscher Soldaten an Kriegsverbrechen in der NS-Zeit. Geändert wurde auch der Titel, von "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944" in "Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944". (APA)

Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944" vom 9. April bis 26. Mai 2002 im Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste (Semperdepot), 1060 Wien, Lehargasse 8.

Öffnungszeiten: täglich 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr.

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Ausstellung

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