Korruptionsprozess gegen Berlusconi soll verlegt werden

1. März 2002, 15:48
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Anwalt fürchtet Beeinflussung des Gerichts durch Demonstrationen in Mailand

Mailand - Der Korruptionsprozess gegen den italienschen Ministerpräsidenten und Medienunternehmer Silvio Berlusconi in Mailand soll nach dem Willen eines Anwalts in eine andere Stadt verlegt werden. Der Anwalt begründete dies am Freitag mit den jüngsten Demonstrationen gegen Berlusconi in Mailand. Diese könnten das Gericht beeinflussen, sagte der Anwalt Niccolo Ghedini. Berlusconi ist angeklagt, in den 80er Jahren beim Kampf um die Kontrolle eines Lebensmittelkonzerns einen Richter bestochen zu haben.

Das Verfahren hatte schon kürzlich Schlagzeilen gemacht: Justizminister Roberto Castelli hatte verlangt, dass eine vor Monaten verfügte Versetzung eines Richters ohne weitere Verzögerung vollzogen werde. Die Anordnung des Ministers wurde von einem anderen Gericht aufgehoben. Die Versetzung des Richters würde das Verfahren weiter verzögern.

Prozesse verschleppen?

Kritiker werfen Berlusconi vor, er wolle auch andere Prozesse gegen ihn verschleppen. Es sei sein Ziel, auf diese Weise eine Verjährung zu erreichen. Hohe Richter in Italien hatten jüngst zum Widerstand gegen den Druck der Regierung auf Korruptionsprozesse aufgerufen. Dagegen wirft Berlusconi Staatsanwälten vor, sie seien von Kommunisten gesteuert und führten eine Kampagne gegen ihn. (APA/dpa)

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