UNO will mutmaßliche Kinderschänder weiter beschäftigen

1. März 2002, 15:37
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Beweise "nicht ausreichend" - Karlheinz Böhm warnt vor möglichem Spendenrückgang

Genf - Im Skandal um den Missbrauch afrikanischer Flüchtlingskinder will das UNO-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) die mutmaßlichen Täter vorerst weiter in den Lagern arbeiten lassen. Bisher reichten die Beweise für Strafmaßnahmen nicht aus, sagte UNHCR-Sprecher Kris Janowski am Freitag in Genf. Das Hilfswerk versuche derzeit, gegen den Missbrauch vorzugehen. So sollten einheimische Mitarbeiter außerhalb der Flüchtlingscamps untergebracht und mehr Frauen eingestellt werden. Gerade im Kriegsgebiet Liberia gebe es dabei jedoch "enorme Schwierigkeiten".

Karlheinz Böhm, der Gründer der Hilfsorganisation "Menschen für Menschen" warnte vor einem Rückgang von Spenden als Folge des Skandals. Sexueller Missbrauch sei immer schrecklich und geschehe überall auf der Welt, sagte Böhm dem "Kölner Express" vom Freitag. Entsprechende Beispiele zeigten, "dass wir auf keinen Fall sagen dürfen: In Afrika wird vergewaltigt mit den Hilfsgütern, die wir gespendet haben. Das wäre ein schlimmer Fehler." Für die 625 Mitarbeiter von "Menschen für Menschen" in Äthiopien schloss er Missbrauchsfälle aus.

Nach einem Bericht des UNO-Flüchtlingshilfswerks UNHCR und der Kinderschutzorganisation Save the Children haben Mitarbeiter der UNO und anderer Hilfsorganisationen in Westafrika offenbar minderjährige Flüchtlingskinder sexuell missbraucht. Eine Untersuchung vor Ort im vergangenen hatte im Oktober und November ergeben, dass männliche Helfer in Guinea, Liberia und Sierra Leone als Gegenleistung für Lebensmittelrationen Sex von weiblichen Flüchtlingen im Alter von 13 bis 18 Jahren verlangten. (APA)

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