Institut für Wirtschaftsforschung sieht Verschlechterung des "Faktors Arbeit"

1. März 2002, 15:48
posten

ÖGB-Präsident: Keine Senkung von Lohnnebenkosten

Innsbruck - Gegen eine Senkung der Lohnnebenkosten hat sich ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch am Freitag in Tirol ausgesprochen. In dieser Debatte sei es notwendig, die Produktivität bzw. die Lohnstückkosten stärker zu berücksichtigen, erklärte er bei einer Konferenz zum Thema "Einkommens-, Kollektivvertrags- und Lohnpolitik" in Wattens.

Als einen "grundlegenden volkswirtschaftlichen Faktor" bezeichnete Verzetnitsch die Bedeutung von Kollektivverträgen. Dadurch würden in Österreich "mehr als hundert Mrd. Euro an Lohnsummen jährlich bewegt". Die Konferenz sei ein "Versuch" für die künftige Lohn- und Einkommenspolitik Antworten zu finden.

"Faktor Arbeit"

Eine deutliche Verschlechterung des "Faktors Arbeit" sah Alois Guger vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung. Der globale Wettbewerb hebe einerseits weltweit den Wohlstand durch steigende Effizienz, bedeute aber andererseits ohne übernationaler Koordination Druck auf Löhne und die Auslagerung von Arbeitsplätzen, führte der Wirtschaftsexperte aus. Dabei hätten in erster Linie die Arbeitnehmer die Lasten der Anpassung zu tragen, während früher die Gesellschaft insgesamt die Kosten übernommen habe.

Die Erhöhung der Realeinkommen im Ausmaß der gesamtwirtschaftlichen Produktivitätssteigerung - zusammen mit Sicherung der Löhne und Gehälter vor der Entwertung durch Inflation - als mittel- und längerfristiges Ziel, habe in Zeiten schwächeren Wirtschaftswachstums und gestiegener Arbeitslosigkeit an Aktualität gewonnen, sagte der Leiter der wirtschaftswissenschaftlichen Abteilung AK-Wien, Günther Chaloupek. Ein Arbeitsmarkt mit hoher bzw. steigender Arbeitslosigkeit erzeuge zudem einen "starken Druck" für eine Zunahme der Einkommensungleichheit. Das bedeute eine "starke Herausforderung für die solidarische Lohnpolitik". Ein Ziel sei unter anderem ein Mindestlohn von 1.000 Euro. (APA)

Share if you care.