Hannes Trinkl gewinnt Abfahrt in Kvitfjell

6. März 2002, 10:49
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Cretier, Cavegn und Ghedina auf dem Stockerl - Fritz Strobl vor Eberharter Fünfter

Kvitfjell - Die Olympia-Abfahrt durfte Hannes Trinkl nicht bestreiten, doch im ersten Rennen nach den Spielen zeigte er allen, was vielleicht möglich gewesen wäre. Der Oberösterreicher triumphierte am Samstag mit einer Portion Wut im Bauch bei der Abfahrt in Kvitfjell und feierte damit seinen sechsten Erfolg im Weltcup, den fünften in der Abfahrt. Zweiter wurde der überraschend starke Franzose Claude Cretier vor den ex-aequo-Dritten Franco Cavegn und Kristian Ghedina. Olympiasieger Fritz Strobl verfehlte das Podest als Fünfter um eine Hundertstel Sekunde, Stephan Eberharter wurde Sechster und hat damit den Gesamt-Weltcup wohl bereits in der Tasche.

Keine Revanchegelüste

"Rache oder Revanchgelüste hatte ich keine", sagte Hannes Trinkl nach seinem Sieg. Einem Sieg, der weit süßer schmecken wird als manch anderer. Denn der Weltmeister hatte an der verlorenen Qualifikation bei Olympia lange Zeit hart zu knabbern. "Die Zeit danach war sehr schwer, obwohl ich sagen muss, dass der Friedl nur sehr schwer zu schlagen gewesen sein wäre. Und es ist ein kleiner Trost, dass es einen würdigen Olympiasieger gegeben hat, auch wenn meine Enttäuschung riesengroß war", meinte der 34-Jährige. Am Samstag allerdings erhielt Trinkl in einem vom Wind beeinflussten und auf kürzerer Strecke ausgetragenen Rennen jene Unterstützung von oben, die ihm in Snowbasin verwehrt geblieben war.

Windlotterie auf verkürzter Strecke

"Ein Dank an den lieben Gott, denn ich war sicher vom Wind begünstigt. Ich habe ihn praktisch nur von hinten bekommen. Das sieht man auch daran, dass mein Vorsprung bei diesem knappen Rennen doch recht groß ist", meinte Trinkl. Doch der Weltmeister zitterte lange im Ziel, denn für ihn war alles möglich. Zu Recht, denn erst mit Nummer 26 brauste der auch im Training starke Claude Cretier auf den zweiten Platz. Danach reifte auch in Trinkl der Gedanke an Revanche, "die ja mit einem Sieg im ersten Rennen nach Olympia großartig gelungen ist."

Eberharter freut sich mit Trinkl

Zu Ende ging in Norwegen hingegen die Serie von Eberharter, der in diesem Jahr in der Abfahrt noch ungeschlagen war. Doch wie alle anderen freute sich auch der Tiroler für seinen Teamkollegen: "Ich war bei Olympia im selben Appartement, daher weiß ich genau, wie schwer es für ihn war, nicht starten zu dürfen", sagte Eberharter - und die Freude war bei allen ehrlich. "Kein Wunder, denn heuer ist das Klima in der Mannschaft wirklich ausgezeichnet".

"Für mich hab ich ihn schon"

Dass er den Gesamtweltcup rein rechnerisch noch nicht gewonnen hat, ist für ihn daher kein Thema. "Für mich habe ich ihn schon. Denn vor diesem Rennen war mir klar, dass Aamodt nie diesen Rückstand aufholen kann. Und genauso wird er jetzt nicht fünf Mal gewinnen, um 487 Punkte aufzuholen", sagte Eberharter. Nach seiner Olympiamedaillen-Kollektion und dem (praktisch feststehenden) Sieg in Gesamt- und Abfahrts-Weltcup fehlt ihm zu einer perfekten Saison nur noch Eines: "Jetzt will ich auch noch den Super-G-Weltcup, deshalb gibt es am Sonntag keine Taktik, sondern nur volle Post, denn Cuche ist nur 60 Punkte zurück."

Ein Olympiasieger braucht nichts beweisen

Kein Problem mit Platz fünf hatte auch Fritz Strobl, auch wenn "das Rennen nicht ganz fair war". Doch nach acht praktisch perfekten Abfahrten in diesem Winter störte das den Olympiasieger nicht. "Erstens muss ich keinem mehr etwas beweisen und als Olympiasieger alles gewinnen. Und zweitens hat genau der gewonnen, der siegen soll, wenn ich es nicht selbst bin", meinte der Kärntner in Anspielung auf Trinkl. "Sein Erfolg freut mich irrsinnig, denn auch ich weiß, was alles in ihm vorgegangen ist." Für Strobl war es nur schade, dass auf verkürzter Abfahrt gefahren wurde. "Denn oben bin ich am stärksten, da wäre sich der zweite Platz vielleicht ausgegangen."

Kein "Wetten dass ..." für Strobl

Ablehnen musste Strobl hingegen die Einladung am Samstag Abend zu "Wetten dass..." und Thomas Gottschalk. "Wir haben alles geprüft, aber ich wäre nicht mehr rechtzeitig zum Super G wieder hier gewesen. Und da will ich noch einiges erreichen, auch den fünften Platz im Gesamt-Weltcup in meiner bisher besten Saison will ich zumindest halten", meinte er. (APA)

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