Monty Roberts – der wahre Pferdeflüsterer

1. März 2002, 14:38
posten

Monty Roberts war das Vorbild für den erfolgreichen Roman "Der Pferdeflüsterer" von Nicholas Evans. Der weltberühmte Pferde-Ausbilder kommt Anfang Mai wieder nach Österreich und wird seine Join Up-Methode demonstrieren.

Die gute Nachricht für alle Monty Roberts-Fans: Der Pferdeflüsterer kommt 2002 wieder nach Österreich – und gibt gleich vier Demonstrationen seiner Join Up-Methode: am 1. Mai in der Wiener Stadthalle,, am 3. Mai im Pferdezentrum Stadl-Paura, am 5. Mai in der Stadthalle Villach sowie am 7. Mai in der Olympiahalle von Innsbruck.

Der den Pferden zuhört

Mit der Sprache der Pferde scheint Monty Roberts weniger Probleme zu haben als mit den Sprachen der Menschen. So verursachte ihm die deutsche Übersetzung seines Bestsellers heftige Schmerzen und tiefste seelische Pein: Im englischen Original heißt sein Buch "The Man Who Listens To Horses" – wörtlich übersetzt: der Mann, der den Pferden zuhört. Sein deutscher Verlag hat daraus "Der mit den Pferden spricht" gemacht, angeblich aus phonetischen und verkaufsstrategischen Gründen. "Es klingt im Deutschen nicht gut, haben sie gesagt. Schließlich und endlich habe ich aber herausgefunden, was der wahre Grund ist: Germans don’t listen! (Deutsche hören nicht zu!)."

Traumatische Kindheit

Monty weiß, warum er den deutschen Titel nicht liebt: Er kann leicht zu Mißverständnissen führen, denn Monty spricht nicht mit den Pferden, jedenfalls nicht in unserer Sprache. Er hört ihnen zu – und er teilt sich ihnen mit, aber in deren Sprache. Und die hat keine Worte. Monty Roberts wuchs in einer Welt auf, die mit Pferden – aber auch mit Menschen – nicht gerade sanft umging. Sein Vater war ein bekannter Pferdetrainer, der bei seinen Kindern dieselben Erziehungsmethoden praktizierte wie bei seinen Pferden: so lange prügeln, bis sie sich unterwerfen. Kindheit oder Jugend kannte Monty nicht, schon als Kind hatte er die Pflichten eines Erwachsenen zu erfüllen, und sein Tagespensum an Arbeit mutet heute schier unmenschlich an. In seinen Zwanzigern besaß Monty bereits die Reife eines weitaus älteren Menschen. Mit sieben Jahren reitet Monty seine ersten Pferde zu, und bereits damals war ihm die vom Vater angewandte grausame Methode des "Brechens" der Pferde zutiefst zuwider. In ihm entsteht der tiefe Wunsch, nie so zu werden wie sein Vater und vor allem nie seine Methoden bei Pferden anzuwenden. Zuerst rein zufällig und intuitiv findet er einen neuen, seinen eigenen Zugang zu diesen scheuen Fluchttieren. Advance and Retreat, Vorstoß und Rückzug nennt er die beiden Grundvokabeln seiner neuen Pferde-Sprache. Als der kleine Monty voll Begeisterung seinem Vater zeigen will, was er entdeckt hat, reagiert dieser mit unglaublicher Grausamkeit: Minutenlang verdrischt er den Jungen mit einer eisernen Stallkette. In seinem Buch erinnert sich Monty: "Am Ende war ich nur noch ein Häuflein Elend. Mein Vater hatte mich genauso behandelt wie die Pferde, die er so lange prügelte bis sie sich unterwarfen. Und ich empfand genauso wie die Tiere – empfand die gleiche Wut und die gleichen Versagensgefühle. Heute kann ich sagen, daß sich mein Haß zeit meines Lebens nicht gelegt hat."

Die Kette der Gewalt

Das schreckliche Erlebnis ließ ihn für Jahrzehnte seinen Wunsch, seine Entdeckung mitzuteilen, vergessen. Aber aufgegeben hat er seine Vorstellungen vom Umgang mit Pferden dennoch nie. Der Haß auf seinen Vater, der Wille, es anders zu machen, wurde zur Triebfeder seines ganzen Lebens. Viele, die meisten wären unter diesen Bedingungen zerbrochen, hätten die Gewalt, die sie erleben mußten, weitergegeben, unbewußt und unreflektiert die Kette der Grausamkeit aus Mangel an Liebe und Verständnis fortgesetzt. "Die Male, wo diese Kette der Gewalt zerbrochen wird, kann man an einer Hand zählen. Es ist sehr schwierig, sie zu zerbrechen. Mein jüngerer Bruder ist damit auf seine Weise umgegangen: Er konnte nicht in einer normalen Gesellschaft leben, also ging er in die Berge. Er lebt dort einsam und verwildert. Ich verurteile ihn nicht für seine Entscheidung, denn irgendwie mußte er mit seinen Problemen fertigwerden. Er hätte auch in der Stadt bleiben und seine Frau und Kinder verprügeln, jemanden erschießen können, was immer … Und ich hätte auch viele, viele Male meine Zuflucht in Gewalt suchen können. Aber ich wußte, ich muß diese Kette unterbrechen – auch wenn es hart ist."
Monty Roberts wählte einen anderen Weg, einen Weg der Liebe, des Verstehens, der Kommunikation. Drei Menschen halfen ihm dabei: seine Nanny und Lehrerin Marguerite Parsons, seine Lehrerin Schwester Agnes Patricia und der Horseman Bill Dorrance, der ihn in seinem Weg bestärkte und an ihn glaubte. Von Schwester Agnes Patricia lernte er auch, was zu seiner Grundüberzeugung in der Pferdeausbildung wurde: Es gibt kein Lehren, es gibt nur Lernen. Ein Lehrer kann nur eine Umgebung schaffen, in welcher der Schüler imstande ist, von sich aus zu lernen. Genauso verfährt Monty mit seinen vierbeinigen Schülern: Er läßt ihnen Raum und macht ihnen Lust aufs Lernen.

Die Sprache der Pferde

Mit 13 Jahren reist er mit seinem Bruder nach Nevada, um wilde Mustangs für ein Rodeo zu fangen. Zum ersten Mal hat er Gelegenheit, die wilden Pferde in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten – und er nutzt sie. Ein Jahr später kehrt er alleine wieder, um seine Beobachtungen fortzusetzen. Von der Leitstute der Herde lernt er die zwei Schlüsselmerkmale der Sprache Equus, wie er die Kommunikationsweise der Pferde nennen wird: Die Stellung des Körpers und die Richtung, in die er sich fortbewegt. Er beobachtet, wie die Stute durch Fortjagen straft und wie sie, wenn das so bestrafte Pferd bestimmte Signale sendet und sich damit verhandlungsbereit zeigt, dieses wieder liebevoll in die Herde aufnimmt. Im Laufe der Jahre hat Monty Roberts seine Sprache Equus unendlich verfeinert und perfektioniert, so daß er heute imstande ist, ein völlig wildlebendes, freies Pferd, das noch nie mit Menschen zu tun hatte, in freier Wildbahn dazu zu bewegen, ihm zu vertrauen, ihm zu folgen und sich schließlich reiten zu lassen. So geschehen und von der BBC dokumentiert im Februar 1997. Aber nicht nur mit Pferden arbeitet Monty, auch Rehe, Hunde, Bären, Großkatzen, ja sogar Fische verstehen seine Sprache bzw. er ihre. "Ob’s mit allen Tieren funktioniert, weiß ich nicht, denn mit allen Tieren hab’ ich noch nicht gearbeitet", grinst Monty, "aber eins weiß ich: Mit Zebras ist es sehr schwierig – und auch gefährlich."

Hilfe von der Queen

Jede Beziehung hat – nach Monty Roberts – etwas von dem Advance and Retreat-Prinzip in sich. "Auch Menschen sind nur Tiere. Wenn ich jemanden mit meinen Ideen, mit meinen Worten erreichen will, muß ich abwarten, bis er auf mich zukommt – nur dann ist er wirklich offen für das, was ich ihm vermitteln will." Seine eigene Lebensgeschichte bestätigt dieses Prinzip: Solange er seine Entdeckung vermitteln wollte, erntete er nur Spott und Hohn. Als er sich zurückzog und einfach tat, was er als richtig und gut erkannt hatte, ließ schließlich die Königin von England nach ihm schicken und ihn bitten, seine Methoden in ihrem Land zu zeigen. Heute gilt er als die Hoffnung für ausweglose Fälle – und er hat noch nie enttäuscht. Ob es sich um das deutsche Spitzenrennpferd Lomitas handelt, das nicht mehr in die Startbox wollte oder um irische Sprengstoffspürhunde, die sich und ihre Ausbilder in die Luft sprengten: Monty fand für beide Probleme eine Lösung. Ohne Gewalt, ohne laute Worte, einfach durch Beobachten, Verstehen und dadurch, daß er den Tieren half, Vertrauen zu haben und zu lernen.

Verzicht auf Gewalt

Gewalt wird Monty nie anwenden, auf seiner ganzen Farm gibt es nicht eine Peitsche. Die Leistungsbereitschaft eines Pferdes gehört für ihn zu dessen wichtigsten Eigenschaften, und Gewalt würde sie zerstören. "Bei allen Pferden, die mir im Laufe meines Lebens ans Herz gewachsen sind, habe ich am meisten ihren unendlichen Willen geschätzt, sich für mich einzusetzen", schreibt er in seinem Buch. Und wenn ein Pferd einmal wirklich widersetzlich ist, nicht will? Dann wird Monty zur Leitstute, scheucht den Widersetzlichen solange von sich weg, bis dieser reumütig zu erkennen gibt: "Ich will wieder zurück zu Dir."JOIN-UP – so der Name seiner Methode – basiert genau auf diesem Prinzip des Wegscheuchens, bis das Pferd zu erkennen gibt, daß es wieder in die Herde aufgenommen werden will. Eine halbe Stunde dauert es im Durchschnitt, bis ein völlig rohes Pferd wie ein Schaf hinter Monty hertrottet, ihm auf Schritt und Tritt folgt, sich streicheln und berühren läßt, schließlich satteln und reiten. Ein Wunder? Nein, so etwas kann geschehen, wenn zwei dieselbe Sprache sprechen und einander verstehen – ohne Worte, seien sie nun geflüstert oder laut.Eva Morawetz/Pferderevue

Kurzbiographie

1935 wird Monty Roberts in Salinas, Kalifornien, geboren.
1937: Bereits mit zwei Jahren sitzt er im Sattel, mit vier Jahren gewinnt er das Salinas Junior Stockhorse Turnier und doubelt in den folgenden Jahren viele Filmstars in Reitszenen.
1943: Mit acht Jahren erlebt er mit, wie sein Vater – damals Polizist – einen Schwarzen zu Tode quält. Er bezeichnet dieses Erlebnis als seine zweite Geburt.
1943–49 reitet er in zahlreichen Quarterhorse-Rennen und nimmt an Westernturnieren teil bzw. erteilt Unterricht.
1948 und 1949 reist er nach Nevada, um wilde Mustangs für Rodeos zu fangen.
1949 gewinnt er 14jährig den nationalen Horsemanship-Bewerb, 1956 wird er Team-Roping Weltmeister.
1952: mit 17 Jahren macht er sich selbständig.
1954 kam James Dean zur Verfilmung von Jenseits von Eden nach Salinas, Montys Geburtsort, und Monty, damals gerade 20 Jahre alt, übernimmt es, den jungen Schauspieler in den genius loci einzuführen. Sie werden Freunde. Als James Dean am 30. September 1955 tödlich verunglückt, ist er am Weg zu Monty, um mit ihm die Pläne für eine gemeinsame Farm zu besprechen.
1955 bekommt Monty ein Stipendium an der California Polytechnic State University in San Luis Obispo. Er studiert dort Biologie (mit Schwerpunkt Psychologie, Tierzucht und Agrarökonomie).
1956: Am 16. Juni heiratet er Pat Burden, ein knappes Jahr später wird ihre erste Tochter, Debbie, geboren. Zwei weitere Kinder, Lori und Marty, kommen in den folgenden Jahren zu Welt. Die Familie siedelt nach Laurellinda.
1961: Monty geht kurz, aber heftig beim berühmten Westerntrainer Don Dodge in die Schule und beginnt seine eigene Karriere als Trainer.
1964 begegnet er dem Millionär Hastings Harcourt, der ihn beauftragt, im Santa Ynez Valley ein Vollblutgestüt aufzubauen. Monty besucht bekannte Gestüte in der ganzen Welt, um sich hierfür Anregungen zu holen.
1966 zieht die Familie auf die Flag Is Up Farms in Solvang, Kalifornien. Monty wird ein äußerst erfolgreicher Vollbluthalter (u. a. gehörte ihm Alleged, der zweimal den L’ Arc de Triomphe gewann.)
1971 will Hastings Harcourt die Farm verkaufen. Ein langer Rechtsstreit folgt, letzten Endes erwirbt Monty Roberts die Farm.
1975 beginnt er auf seiner Farm mit Rehen zu arbeiten. Erstes Reh in der Familie ist Grandma.
1981 muß sich Monty mit 46 einer schweren Rückenoperation (fünf vorgefallene Bandscheiben, zahlreiche alte Brüche und Knochensprossungen) unterziehen. Die Ärzte geben ihm wenig Hoffnung, je wieder reiten zu können.
1989 kommt Monty im April auf Einladung Queen Elizabeths II nach England, um seine Methode zu demonstrieren. Er tourt durch England und Schottland. Im Herbst folgt eine zweite Tour. Weitere Reisen folgen.
1991 im April arbeitet er sieben Tage mit Lomitas, der daraufhin wieder seine Startbox betritt. Die Meldung seines Erfolgs geht durch sämtliche Medien.
1996 erscheint die Originalausgabe seines Buches in England. Das Buch ist überaus erfolgreich und wird bald in zahlreiche Sprachen übersetzt.
1997 gelingt Monty Roberts ein JOIN-UP-Versuch in freier Wildbahn, den die BBC dokumentiert.
1997 im September erscheint die deutsche Ausgabe seines Buches.
1998 erscheint Monty Roberts nächstes Buch "Shy Boy"
2000 Monty Roberts präsentiert sein jüngstes Buch "Das Wissen der Pferde"

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Monty Roberts – der prominente „Pferdeflüsterer" aus den USA – kommt im Rahmen seiner Europa-Tournee auch nach Österreich!

Share if you care.