Euro mischt Preisgefüge auf

1. März 2002, 12:43
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Lebensmittelhandel rundet bereits

Wien - Mit dem endgültigen Aus des Schilling als gesetzliches Zahlungsmittel und dem Ende der gesetzlichen Frist für die doppelte Preisauszeichnung wird das bisherige Preisgefüge kräftig durcheinander gewirbelt. Nach Ansicht von Marktforscher Andreas Kreutzer von Kreutzer, Fischer & Partner wird es bei der Suche nach neuen so genannten Schwellenpreisen allerdings nicht - wie vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) befürchtet - überall zu einem Preisschub kommen.

Vor allem in Handelsbranchen mit starkem Konkurrenzdruck, wie im Lebensmittelhandel, werde der Preiskampf auch in der Euro-Ära weitergehen. Bei weniger vergleichbaren Produkten wie Textilien, Schuhen oder auch in der Gastronomie werde es dagegen bis Jahresende dauern bis sich neue Preisgrenzen bilden, außerdem seien in diesen Branchen Preiserhöhungen wahrscheinlicher.

5er, 9er, 0er-Endungen

"Im Lebensmittelhandel zeichnet sich bereits ab, dass die meisten kleinen Preise auf 5, 9 oder 0 Cent enden", sieht Kreutzer seine früheren Prognosen bestätigt. "Die neuen Hofer-Preise aber auch Aktionen bei Spar und Billa gehen eindeutig in diese Richtung", so Kreutzer zur APA. Besonders günstige Angebote würden überhaupt mit runden Euro-Beträgen angepriesen, wie dies etwa auch in den USA seit langem üblich sei.

Bei etlichen Produkten - als Beispiel führt Kreutzer Eskimo an - gebe es jetzt bzw. werde es in den nächsten Monaten auch Abrundungen geben. Allerdings seien gerade im Lebensmittelhandel im Vorfeld viele Waren teurer geworden, die jetzt - allerdings nur zum Teil - wieder verbilligt werden, um auf runde Preise zu kommen, die "unter 2001 aber über 2000" liegen, fasst Kreutzer zusammen.

Runde Beträge

In der Gastronomie, in Bäckereien aber auch in Trafiken oder an Tankstellen rechnet Kreutzer, dass sich die komplizierten zwei- bis dreistelligen Cent-Preise ebenfalls früher oder später in runde Beträge verwandeln werden, wenn es nicht schon passiert ist. Die OMV stellt solche Überlegungen in Abrede. Die dreistelligen Cent-Preise für Sprit seien ein Vorteil für die Kunden und erlaubten kleinere Preisschritte, hieß es aus dem Unternehmen.

Wo sich die neuen magischen Preisgrenzen bei Ausgaben bis 100 Euro einpendeln, werde sich erst zeigen, so Kreutzer weiter. 99 Euro (1.362 S) werde mit Sicherheit ein solcher Schwellenpreis sein. Wo die Richtpreise darunter liegen werden - bei 49 Euro, 59 Euro oder 69 Euro - werde von stark beworbenen Markenprodukten abhängen. Große Textilhändler werden in den nächsten Monaten viele Preise "abklopfen" und dann entscheiden. Angesichts der schnellen Kollektionsrhythmen bei H&M, Mango & Co sei dies auch kein Problem.

Bis sich die neuen Schwellenpreisen auch bei langlebigen Gütern wie Stereoanlagen oder Autos herausbilden werden laut Kreutzer bis zu 2 Jahre vergehen. Bei diesen Gütern werde es auch am längsten dauern, bis die Konsumenten sich an das neue Preisgefüge gewöhnen. (APA)

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