Slowakischer Präsident Schuster gegen Aufhebung der Benes-Dekrete

1. März 2002, 11:51
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Für Entschuldigung bei Opfern der Vertreibung

Prag - Der slowakische Präsident Rudolf Schuster hat sich gegen eine Aufhebung der Benes-Dekrete ausgesprochen. In einem Interview mit der Prager Tageszeitung "Pravo" von Freitag sagte Schuster: "Als es nach dem Krieg klar war, welches Leid der Faschismus verursacht hatte, begriff jeder, dass man die Täter bestrafen muss. Es kam zu den erwähnten Dekreten, allerdings hat niemand deren Durchsetzung kontrolliert." Die Benes-Dekrete sollten "nicht aufgehoben", sondern ihre Folgen untersucht werden.

Schuster verurteilte zugleich jede Form der kollektiven Bestrafung und sprach sich für eine Entschuldigung gegenüber unschuldigen Opfern aus. "Mit dem Abstand der Zeit wäre es gut, sich bei den Unschuldigen zu entschuldigen, die deportiert wurden. Unter ihnen waren oft auch Leute, die mit der Waffe in der Hand gegen den Faschismus gekämpft haben", betonte Schuster.

Seine Familie selbst habe sei von den Vertreibungen betroffen gewesen, schilderte Schuster. Niemanden habe es interessiert, dass sein Vater ein bekannter Antifaschist gewesen sei. "Eines Morgens kamen tschechische Soldaten, versiegelten uns die Wohnung und führten uns ab in die Schule ab. Man begann, unser Eigentum zu beschlagnahmen, selbstverständlich ohne Bestätigung. Er erinnerte mich an die Juden-Transporte. Meine Mutter war jedoch krank, sodass Ärzte schließlich den Transport unserer Familie nicht erlaubten." (APA)

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