Helmut Zacharias 1920-2002

3. März 2002, 14:49
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Der Jazzgeiger verkaufte 13 Millionen Alben

Brissago - Mit zweieinhalb bekam er seine erste: Es war eine Spielzeuggeige aus Blech, dem kleinen Helmut Zacharias sollte das Grundnahrungsmittel der Familie - Vater Geiger, Mutter Sängerin - nicht länger vorenthalten werden. Mit elf spielte er Mozarts G-Dur-Violinkonzert im Berliner Rundfunk, sechzehnjährig wurde er als jüngster Student der Akademischen Hochschule für Musik in Berlin Schüler von Gustav Hanemann und Fritz Kreisler.

Nach dem Zweiten Weltkrieg startete er eine beispiellose Karriere als Jazzgeiger, welche Ende der 50er-Jahre in Gastspielen im legendären Pariser "Olympia" gipfelte. In den 60ern weitete Zacharias sein Tätigkeitsfeld mit Geschick und Fortüne auf das Gebiet der Unterhaltungsmusik aus: Nebst eigenen TV-Shows bei ARD und ZDF ist hier auch die Nummer-eins-Platzierung seiner Tokyo-Melodie in den britischen Charts zu erwähnen; insgesamt verkauften sich Zacharias' Tonträger über 13 Millionen Mal.

Als bewusstes Zeichen machte Zacharias' Frau vor eineinhalb Jahren öffentlich, dass ihr Mann seit Mitte der Neunzigerjahre an der Alzheimer-Krankheit leidet, denn: "Das Verschweigen der Krankheit macht das Leben der Erkrankten und ihrer Angehörigen noch schwerer, als es schon ist." Donnerstagabend starb Helmut Zacharias in einem Pflegeheim in Brissago am Lago Maggiore. Der Himmel voller Geigen? Es wäre ihm zu wünschen.
(end/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2./3. 3. 2002)

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