ÖBB: "Technisches Gebrechen und menschliche Unachtsamkeit"

4. März 2002, 07:34
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Ungarischer Bahnchef weist Schuldzuweisung für Zugunglück zurück

Wien/Budapest - Die ÖBB teilten Freitag mit, dass die Bremsen eines der 28 Waggons des Unfall-Güterzuges schon in Sopron defekt gewesen seien. Bei der Fahrt in Ungarn sei das kein Problem gewesen, da der Waggon an vorletzter Stelle eingereiht gewesen sei. Nach dem so genannten Zugsturz in Ebenfurth - wie berichtet, wurde die ungarische Lok abgehängt und durch eine österreichische ersetzt, die an das andere Ende des Zuges angekoppelt wurde - war der Wagen mit dem defekten Bremsventil schließlich an der zweiten Stelle eingereiht, erklärte ÖBB-Sprecher Andreas Rinofner.

Bei der anschließenden Kontrolle der Bremsfähigkeit "dürfte ein Fehler im Arbeitsablauf passiert sein". Dass der verantwortliche Verschubarbeiter der ÖBB angeblich suspendiert worden sei, wurde weder bestätigt noch dementiert: "Das ist ein laufendes Verfahren, ich kann dazu nichts sagen", hieß es.

Das Unglück scheine jedenfalls auf eine "Kombination aus technischem Gebrechen und menschlicher Unachtsamkeit" zurückzuführen sein. Das defekte Ventil am Waggon vorne habe verursacht, dass die nachfolgenden 26 Waggons mit rund 1000 Tonnen Ladung nicht mehr gebremst wurden.

Funktionierender Zug

Janos Berenyi, Generaldirektor der Bahngesellschaft Györ-Sopron-Ebenfurth, wies Freitag die "österreichische Schuldzuweisung für das Zugunglück" von Wampersdorf zurück. Zwischen Sopron und Ebenfurth habe der Unglückszug funktioniert. Berenyi berief sich auf die Auswertung der Black Box der Lok und unterstrich, die ungarischen Eisenbahner hätten in Ebenfurth "einen Zug mit guter Bremswirkung" übergeben. Der Bahnchef verwies weiters darauf, dass es in ganz Europa Züge gebe, in denen einzelne Wagen über geringere Bremswirkung verfügten, was jedoch noch nicht bedeute, dass der Zug nicht zu bremsen sei.

Der Bremserfolg hänge stets von der Länge und der Masse des Zuges und dem Anteil der Wagen mit geringerer Bremswirkung ab. Im konkreten Falle seien es vorgeschriebene 64 Prozent gewesen, wobei der Zug jedoch zu 82 Prozent aus gut gebremsten Wagen bestanden habe. Der österreichische Lokführer "hätte nach Übernahme des Zuges ab Ebenfurth die Bremsproben durchführen müssen", so Berenyi. Und dies sei unterlassen worden. Bei dem Unglück waren Dienstag sechs Menschen getötet, 16 teils schwer verletzt worden. (DER STANDARD, Printausgabe 2./3.03.2002)

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