Schumacher Auftaktsieger in Melbourne

15. März 2002, 11:46
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Bruder Ralf löste mit Barrichello einen Massen-Crash kurz nach dem Start aus - Nur acht Wagen erreichten das Ziel

Melbourne - Kaum hat sich die Welt daran gewöhnt, dass Michael Schumacher schon wieder Weltmeister geworden ist, düst er auch schon wieder in Australien herum, wo traditionellerweise die Formel-1-Saison beginnt. Und so wie in den vergangenen beiden Saisonen siegt Deutschlands Sympathieträger im italienischen Auto, das irritierenderweise das vom Vorjahr war, was aber nur bis zum Qualifying zu Grinsanfällen der Konkurrenz über Ferraris technische Schlampigkeit reizte. Das alte Auto verwies dann Juan Pablo Montoya und seinen BMW Williams auf den zweiten, McLarens Häkkinen-Ersatz Kimi Räikkönen auf den dritten Platz.

Und wieder grinste das deutsche Murmeltier

Kurz und gut: Die Formel 1 ist ein schöner Beweis dafür, wie schnell erstens die Zeit vergeht und wie wenig sich zweitens in dieser ereignet. Heinz Prüller ist über den olympischen Damenskiwinter nicht älter geworden. Im Gegenteil: Er lächelt noch lausbübischer, wenn er Jarno Trulli beim Betreten des Boxengeländes treffsicher als Jarno Trulli erkennt. Und Michael Schumacher sagt, was er mit Sicherheit schon vor einem Jahr gesagt hat: "Ich gehe mal davon aus, dass wir in diesem Jahr noch viel Spaß haben werden."

Überflieger Ralf

Der Spaß begann jedenfalls damit, dass Bruder Ralf in seinem BMW Williams Polepositioner Rubens Barrichello rammte, was eine beträchtliche Massenkarambolage zur Folge hatte. Gezählte acht Autos waren darin verkeilt und verwickelt, was die Veranstalter dankenswerterweise immerhin dazu veranlasste, kurz das Safety Car auf die Strecke zu schicken. Aus der verlangsamten Phase setzte sich David Coulthards McLaren bis zum ausfallbedingenden Bremsdefekt an die Spitze, dann übernahm Startalent Juan-Pablo Montoya die Führung, um sie schlussendlich dann doch an Schumacher zu verlieren.

Lauda konnte schmunzeln, aber nicht lange

Die Startkarambolage hatte einen klaren Sieger. Niki Laudas Jaguar-Team, wegen kolportierter Unpässlichkeit des erwählten Windkanals aerodynamisch nicht viel mehr als ein Haufen Säcke, erreichte mit Eddie Irvine Rang vier von acht gewerteten Überbleibern. Irvine nahm das gelassen zur Kenntnis: "Es ist ja nett, die Saison so zu starten, aber wir sollten uns selbst nicht beschwindeln, wir sind noch sehr weit hinten nach. Das Resultat ändert nichts an der Tatsache, dass wir noch viel zu tun haben." Teamchef Lauda ist zwar "sicher sehr froh über den vierten Rang, nichtsdestotrotz: Wir haben mit diesem Auto noch einiges an Arbeit zu verrichten."

Webber fühlte sich wie ein Sieger

Der Fünfte dagegen, Australiens Debütant Mark Webber auf Minardi, fühlte sich, "als ob ich das Rennen gewonnen hätte".

Arrows bot zweifache Premiere

Das Gegenteil dieses Gefühls hatte Arrows. Erstmals in der Geschichte der Formel 1 wurden mit Heinz-Harald Frentzen und Enrique Bernoldi beide Fahrer eines Teams disqualifiziert. Der eine wegen Missachtens des Rotlichts, der andere wegen des unerlaubten Wechsels auf das Ersatzauto. Nächste Gelegenheit, das auszubügeln, haben sie am 17. März im malaysischen Sepang. (red, Printausgabe DerStandard, 04.03.2002)

Ergebnis

  • 1. Michael Schumacher (Ferrari) 1:35:36.792 Stunden (Schnitt: 193.011 km/h)
  • 2. Juan Pablo Montoya (Williams) 1:35:55.419
  • 3. Kimi Raikkonen (McLaren) 1:36:01.858
  • 4. Eddie Irvine (Jaguar) + 1 Runde
  • 5. Mark Webber (Minardi) + 2
  • 6. Mika Salo (Toyota) + 2
  • 7. Alex Yoong (Minardi) + 3
  • 8. Pedro de la Rosa (Jaguar) + 5

    Ausgeschieden:
    Ralf Schumacher (GER) Williams-BMW, Rubens Barrichello (BRA) Ferrari, David Coulthard (GBR) McLaren-Mercedes, Allan McNish (GBR) Toyota, Felipe Massa (BRA) Sauber-Petronas, Giancarlo Fisichella (ITA) Jordan-Honda, Jacques Villeneuve (CAN) BAR-Honda, Jarno Trulli (ITA) Renault, Jenson Button (GBR) Renault, Nick Heidfeld (GER) Sauber-Petronas, Olivier Panis (FRA) BAR-Honda, Takuma Sato (JPN) Jordan-Honda

    Disqualifiziert:
    Enrique Bernoldi (BRA) Arrows-Cosworth, Heinz-Harald Frentzen (GER) Arrows-Cosworth

    Schnellste Runde: Kimi Räikkönen (FIN) McLaren-Mercedes 1:28,541 Min.

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