Uni-Reform: Trennung auf Medizinisch

28. Februar 2002, 21:05
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Ein Kommentar von Lisa Nimmervoll

So wirklich will die Scheidung niemand. Im Entwurf des neuen Universitätsgesetzes, der demnächst in Begutachtung geht, ist sie aber schon angekündigt. Nur noch langwierige Mediationsgespräche über Details des künftigen Zusammenlebens könnten verhindern, dass die Medizinischen Fakultäten aus der Gesamtuni ausziehen und ein neues Leben als eigenständige Medizin-Universitäten beginnen. Diesen haftet aber schon jetzt der Hautgout von politischen Schmuddelkindern an.

Denn alle Dekane der scheidungswilligen Medizinischen Fakultäten bekunden offenherzig, eigentlich hätten sie es ja noch gut und gerne in der alten Beziehung mit ihrer Stammuni ausgehalten - aber der neue vom Bildungsministerium aufgesetzte Ehevertrag (samt Vollrechtsfähigkeit für den zum Haushaltsvorstand mutierten Rektor) erzwinge nachgerade eine räumliche und finanzielle Trennung. Andernfalls wäre man auf die Großzügigkeit des Partners angewiesen - und das angesichts schwieriger Unterhaltspflichten (klinischer Bereich).

Die Ursache des Hin und Her um eigene Hochschulen für Mediziner ist die logische Folge der geplanten Organisationsreform, die die Eigenheiten der Doppelfunktion von Medizinern als Forscher und Patientenversorger offenbar zu wenig berücksichtigt. Die Schwächung der Fakultäten in vollrechtsfähigen Unis wäre für die medizinischen Fakultäten tatsächlich unannehmbar. Alle Fakultäten würden dann über einen Kamm geschoren. Da ist es konsequent zu sagen: Dann wollen wir doch lieber gleich eine mit allen Rechten ausgestattete Universität sein. Will das Ministerium die daraus resultierenden Zusatzkosten für neue Verwaltungsstrukturen vermeiden, muss es wohl einen medizinerkompatiblen Gesetzestext erarbeiten. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.3.2002)

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