Berg bröselt unter Wetterstation weg

28. Februar 2002, 19:19
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Schausberger fordert finanzielle Beteiligung an Sanierung des Sonnblick-Observatoriums

Salzburg - Der Gipfel des 3105 Meter hohen Rauriser Sonnblick bröselt langsam aber sicher vor sich hin. An sich kein Problem, würde nicht genau am höchsten Punkt dieses Dreitausenders mit dem Sonnblick-Observatorium eine der wichtigsten meteorologischen Stationen Österreichs stehen. "An der Nordseite steht das Haus direkt an der Kante. Alles, was runter fällt, fällt unter dem Haus weg", beschreibt der Salzburger Leiter der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) Michael Staudinger die Situation.

Nach ersten Schätzungen dürften für die notwendigen Sanierungen in den kommenden Jahren bis zu 400.000 Euro (5,5 Millionen S) erforderlich sein. Salzburgs VP-Landeshauptmann Franz Schausberger will kommende Woche die Landeshauptleutekonferenz mit dem Thema befassen. Schausberger geht von einer österreichweiten Bedeutung des seit 1886 bestehenden Observatoriums aus. Daher sollten für die Sanierung des Berges wie auch für die Instandsetzung der rund 30 Jahre alten Materialseilbahn von Kolm Saigurn auf den Gipfel auch andere Gebietskörperschaften einen Beitrag leisten.

Klima-Projekte

Neben der reinen Meteorologie beschäftigte man sich am Sonnblick in den letzten Jahren verstärkt mit der Luftchemie und ihrem Einfluss auf die Klimaänderungen. Im Sonnblickobservatorium werden derzeit 18 klimarelevante Projekte von österreichischen und internationalen Wissenschaftern durchgeführt.

Man forscht also in eigener Sache, denn dass der aus Schiefer und Gneis bestehende Berg erodiert, hat mit der globalen Erwärmung zu tun. Die Schmelzperioden - also der Zeitraum, in dem Wasser statt Schnee fällt - haben sich laut Staudinger verlängert. Dadurch gelange mehr Wasser in die Felsritzen. Schon relativ wenig Wasser aber kann das Gestein sprengen. Nach Berechnungen der Geologen ist für eine Wassersäule, die 20 Meter in einen nur wenige Millimeter dicken Felsspalt reicht, nur ein Liter notwendig. In der Tiefe aber bewirkt dieser Liter einen Druck von bis zu 20 Tonnen auf einen Quadratmeter. (neu, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1. 3. 2002)

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