IOC-Untersuchungen gegen ÖSV-Langlaufteam

1. März 2002, 18:37
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Die Truppe von Walter Mayer ist nach dem Fund von Geräten zur Bluttransfusion ins schiefe Licht geraten - ÖSV-Arzt bezeichnet Therapie als wenig sinnvoll - Reinigungsfrau fordert nach Verletzung mit Injektionsnadel HIV-Test

Wien/Salt Lake City - Das österreichische Langlauf-Team bei den Olympischen Spielen ist in ein schiefes Licht geraten. Das Internationale Olympische Comite (IOC) hat nach dem Fund von Geräten zur Bluttransfusion im Quartier der ÖSV-Langläufer in Midway Untersuchungen eingeleitet. Die Erklärung von ÖSV-Sportdirektor Walter Mayer vom Donnerstag, die Geräte hätten zu UV- bzw. Ozontherapie gedient und nichts mit Doping zu tun, lässt allerdings Fragen offen.

UV-Therapie umstritten

Bei der so genannten UV-Therapie werden Athleten etwa 100 Milliliter Blut abgenommen, mit UV-Licht bestrahlt und dann wieder dem Körper zugeführt. Nach Aussage von Peter Baumgartl, dem Mannschaftsarzt der ÖSV-Langläufer, sei diese Methode wissenschaftlich nicht anerkannt. "Das hat keine Wirkung, kein Arzt würde so etwas machen", erklärte Baumgartl. Ob dies unter die nach den IOC-Anti-Dopingbestimmungen verbotenen Methoden falle, sei Auslegungssache, so der ÖSV-Arzt, der die Behandlungen selbst nicht durchgeführt hat.

Hoffmann spricht von Ozon-Therapie

Christian Hoffmann, der Olympia-Zweite über 30 km, erklärte in einem Interview mit Life-Radio Linz, er habe die angesprochene Ozon-Therapie nicht versucht. "Ich habe das vorher nie gemacht und wollte so kurz vor dem Wettkampf nichts Neues probieren", erklärte der Oberösterreicher, der später als die meisten seiner ÖSV-Kollegen in die USA gereist war. Der Silbermedaillengewinner macht sich daher auch keine Sorgen über einen möglichen Verlust seines Edelmetalls. Einige Athleten hätten während der Winterspiele mit einem Heilpraktiker eine Ozontherapie durchgeführt, aber das sei legal und "in keinster Weise mit Doping in Verbindung zu bringen", so Hoffmann.

Polizeilicher Hintergrund der Untersuchungen

Die Untersuchungen des IOC gehen aber nicht nur in Richtung möglicher verbotener Leistungssteigerung, sondern sie haben auch einen polizeilichen Hintergrund. Denn bei der Reinigung des an den ÖSV vermieteten Hauses in Midway hat sich am Dienstag eine Frau an einer Injektionsnadel verletzt. Die Behälter mit den gefundenen Utensilien wurden von der zuständigen Immobilien-Agentur an den Sheriff des Wasatch-County übergeben und von diesem an das Organisationskomitee der Spiele weitergeleitet.

Behandelte Personen gesucht

Die Medizinische Kommission des IOC soll herausfinden, um welche Produkte es sich handelt (unterliegen sie dem Verbotsgesetz in den USA?) bzw. soll mithelfen, die Person(en) ausfindig zu machen, deren Blutreste gefunden wurden. Denn die Reinigungsfrau fordert u.a. einen HIV-Test, um bei sich Folge-Erkrankungen auszuschließen. (APA)

Auszug der IOC-Presseaussendung

"Die Durchführung von Bluttransfusionen zur Leistungssteigerung ist nicht nur unethisch und durch den Anti-Doping-Code der Olympischen Bewegung verboten, sondern auch für die Gesundheit der Athleten extrem gefährlich."

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