Im Börsel klimpert's europäisch

28. Februar 2002, 20:10
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Automatenverkauf und Fußtrittsyndrom nach dem Schillingabschied

Wien - Wie immer, wenn sie zu kurz kommen, werden die Leut' rabiat: "Des Fernsehen muss her, des is ja alles geschoben". Die Rothaarige raunzt und tobt. Sie will auch einen Automaten von Ferry Ebert. Für zehn Schilling, wenn der Zehner ein spezielles Prägedatum hat. So sehen es die Ebert'schen Spielregeln vor. Sonst bleibt ihr nur übrig, den begehrten Brieflosautomat zu kaufen: Für 150 Euro. Sie tobt weiter. Ebert grinst.

Gut lachen hat der legendäre Automatenkönig . Für jene clever gebauten Maschinen, die er seit den 50-er Jahren mit Kondomen, Glühbirnen, Kaugummis und Brieflosen gefüllt hat, kassierte er nochmals kräftig ab. Anlässlich der Euroumstellung verkaufte er vor dem Café Landtmann in Wien am letzten Tag des Schillings über hundert der Blechkästen. Er hat sein Geschäft - mit eurotauglichen Automaten - an Nachfolger übergeben und wird jetzt Märchenerzähler.

Wenig Freude mit der Umsatzentwicklung haben alle anderen Automatenbetreiber.

Cents für Automaten

Johann Wieland, Chef der Branchenvereinigung, beklagt Rückgänge von bis zu 20 Prozent beim Verkauf von Kaffee, Imbissen oder Cola. Der Grund scheint kurios: Wieland bemerkt, dass die Konsumenten kaum Fünf- und Zehncentmünzen in die Automaten einwerfen. Das habe Probleme mit dem Wechselgeld zur Folge. Die Leute würden dann wütend, wenn ihr Geld wieder rausfalle beim Geldschlitz - das "Fußtrittsyndrom" greife um sich. Auf den Automat wird mitunter recht heftig eingedroschen, beklagt Wieland Kottan'sche Methoden. Dass die Maschine als Antwort einen großen Braunen vor die Füße spuckt, wurde noch nicht beobachtet.

Ansonsten haben die Österreicherinnen und Österreicher mit der neuen Währung wenig Probleme. Fast dreiviertel von ihnen, belegen Umfragen, ist es egal, dass kein Schilling mehr im Börsel klimpert. Und Geldausgeben ist in allen Währungen der Welt am Konto gleich schnell zu bemerken. Es könnte bloß sein, dass in den nächsten Wochen, wenn mit Freitag die doppelte Preisauszeichnung obsolet ist, ein paar Waren teurer werden. In der Hoffnung, dass es keiner merkt im Kaufrausch. Aber die Arbeiterkammer und der Verein für Konsumenteninformation haben versprochen, darauf aufzupassen. (aw, DER STANDARD, Printausgabe 1.3.2002)

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