Fortsetzung der Erfolgsgeschichte

28. Februar 2002, 19:50
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Parteien einstimmig für Bakkalaureat an Fachhochschulen

Wien - Einstimmige Gesetzesbeschlüsse sind seltene Momente der parlamentarischen Praxis. Am Donnerstag war es wieder einmal soweit: Die Novelle zum Fachhochschul-Studiengesetz (FHStG) wurde einstimmig beschlossen.

Analog zu den Universitäten dürfen die Fachhochschulen (FH) Bakkalaureat-Studiengänge anbieten. Damit soll der Fortsetzung der "Erfolgsgeschichte FH", die sich die Vertreter aller Parteien auf die Fahnen hefteten, gewährleistet werden. Kritik übte die SPÖ allerdings daran, dass künftig die Entscheidungskompetenz über den Standort neuer FH-Studiengänge nicht beim FH-Rat, sondern beim Bildungsministerium liegen soll. Das lehnt auch der Präsident des FH-Rats, Claus Raidl, ab. Er befürchtet, dass die Errichtung von FH-Studiengängen dadurch zu einem Instrument regionalpolitischer Interessen würde. Bildungsministerin Elisabeth Gehrer kündigte an, dass sie "in 99,9 Prozent der Fälle" in Übereinstimmung mit dem FH-Rat handeln werde.

Das FH-Bakkalaureatstudium soll - einschließlich Berufspraktikum - sechs Semester umfassen und mit dem Titel "Bakkalaureaus/Bakkalaurea (FH)" abschließen. Das anschließende FH-Magisterium kann zwischen zwei und vier Semester dauern. Die weiterhin zulässigen FH-Diplomstudiengänge sollen mit acht bis zehn Semester begrenzt werden. Mit der Novelle wird es zudem Erleichterungen für FH-Absolventen geben, die ein Doktoratsstudium an einer Universität absolvieren wollen, und das Europäische System zur Anrechnung von Studienleistungen (ECTS) wird verpflichtend eingeführt.

Gehrer verwies in der Debatte auch auf die Durchlässigkeit der zu den Hochschulen führenden Bildungswege. 52 Prozent der Maturanten und Maturantinnen kämen über die Hauptschule zur Reifeprüfung, wobei besonders Hauptschulen mit klarem Profil und autonomer Schwerpunktsetzung erfolgversprechende Sprungbretter seien.

Beschlossen wurde außerdem eine Änderung des Universitätsstudiengesetzes, die den Uni-Kommissionen eine Verlängerung der Frist für die Einführung des Bakkalaureats bis Ende 2002 vorsieht. (kob/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.3.2002)

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