Lehr-Evaluierung: Mäßiger Ertrag, hoher Aufwand

28. Februar 2002, 19:54
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Bildungspsychologin zieht kritisch Bilanz

Wien - "Die Evaluierung von Lehrveranstaltungen durch Studierende ist mit hohem Aufwand und hohen Kosten verbunden, bringt aber in Relation dazu relativ wenig bis gar nichts für die Verbesserung der Lehre." Die Bilanz der Bildungspsychologin und Evaluierungsexpertin Christiane Spiel von der Uni Wien fällt ernüchternd aus. Spiel veranstaltete Donnerstag ein wissenschaftliches Symposium zum Thema.

Als Gründe für den mangelnden Ertrag der Evaluation nennt die Bildungspsychologin, dass es keine klaren Ziele gebe und auch die Zielgruppe nicht klar sei. Spiel: "Soll mit der Evaluierung über den Stand der Dinge informiert oder eine Kontrolle ausgeübt werden?"

Die Evaluierungsexpertin bezweifelt auch die Aussagekraft der Evaluierungsergebnisse. So gebe es die Diskrepanz, dass die Lehre zwar allgemein gut beurteilt werde, wenn man aber Einzelne über ihr Studium befrage, beklage sich fast jeder zumindest über einzelne Lehrende. Ursache sei, so Spiel, das Problem einer "fiktiven Abhängigkeit" der Studierenden. Kritisiert wird von der Expertin weiters das Fehlen der Konsequenzen der Lehr-Evaluierung. Die im Gesetz formulierte Konsequenz bei zweimaliger schlechter Beurteilung - ein Gespräch mit dem Studiendekan - sei ein "Witz". (APA/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.3.2002)

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