Afghanistan: Mehr Opium als im Jahr 2001

28. Februar 2002, 20:47
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Neuer Bericht der UNO-Drogenkontrolle

Wien - Nach einem signifikanten Rückgang im Jahr 2001 dürfte der Opiumanbau in Afghanistan heuer wieder auf ein relativ hohes Level ansteigen. Dies ist das Ergebnis eines Berichtes, den Mitarbeiter des UNO-Drogenkontrollprogramms (UNDCP) am Donnerstag in Wien vorgestellt haben. Die Erkenntnisse der UNDCP beruhen auf einer Untersuchung, die vom 1. bis 10. Februar in den traditionellen Opiumanbaugebieten im Süden und Osten Afghanistans durchgeführt wurde.

Ihr zufolge wird die Drogenanbaufläche in Afghanistan im Jahr 2002 zwischen 45.000 und 65.000 Hektar gegenüber 7600 Hektar im Jahr 2001 betragen und somit das Niveau erreichen, das sie Mitte der 90er-Jahre hatte, so der Vorsitzende des UNO-Büros für Drogenkontrolle und Verbrechensbekämpfung (ODCCP), Steinar B. Bjornsson. Sie werde aber geringer ausfallen als in den Jahren 1999 und 2000, als sie 90 respektive 82 Hektar betrug. Eine auf einem größeren Datenbestand basierende Einschätzung wird im Jahresbericht 2002 erfolgen, der im September publiziert wird.

Lob für Karsai

Die UNDCP-Verantwortlichen lobten die Kooperation der Übergangsregierung unter Premier Hamid Karsai, die, so die Leiterin der UNDCP-Analyseabteilung, Sumru Noyan, die Produktion, den Konsum und den Schmuggel von Opium verboten habe. Unter dem Taliban-Regime sei lediglich der Anbau von Opium verboten gewesen. Die Zunahme der Opiumproduktion erklärt sich daraus, dass nach dem 11. September 2001 und dem Fall der Taliban massiv angepflanzt worden sei. Für die Regierung Karsai sei das Opiumverbot allem guten Willen zum Trotz nur sehr schwer durchzusetzen.

Schwer einzuschätzen ist für den Leiter der UNDCP-Untersuchungsabteilung, San- deep Chawla, welche Lagerbestände an Opium in Afghanistan noch vorrätig sind. Bisher habe man auf den einschlägigen Märkten noch keine Verknappung des Angebotes festgestellt. Er rechne damit, dass es im nächsten Jahr zu Engpässen kommen könnte. Die Hauptroute, auf der Opium aus Afghanistan geschmuggelt wird, sei immer noch die traditionelle Balkanroute über den Iran und die Türkei, doch gewinne in letzter Zeit die Route über Zentralasien und Russland an Bedeutung. (win/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.3.2002)

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