Der "Ederer-Tausender" traf ein

28. Februar 2002, 18:23
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Ehemalige EU-Staatssekretärin: "Von Wirtschaftsforschern belegt" - Diskussion um hohen Euro-Startkurs

Wien - Mit dem Ende des Schilling hört sich auch eine Debatte auf, ob die (frühere) Regierung vor dem EU-Beitritt zu viel versprochen hat. Auch den "Ederer-Tausender" gibt es nicht mehr. Brigitte Ederer, ehemals EU-Staatssekretärin und heute Vorstand bei Siemens Österreichs, hatte im Vorfeld der EU-Volksabstimmung durch Preissenkungen pro Haushalt eine jährliche Einsparung von 1.000 S (72,7 Euro) versprochen. Ederer sieht ihr damaliges Versprechen durch Wirtschaftsforscherergebnisse klar bestätigt, wie sie am Donnerstag bei einer Festenquete zum Abschied vom Schilling betonte.

In der Enquete wurde mehrfach auch die anhaltende Euro-Schwäche gegenüber dem US-Dollar angesprochen. Österreichs Notenbankgouverneur Klaus Liebscher will nicht von "schwach" oder "stark" reden, er wies auch Kritik zurück, dass der Euro-Kurs Ende 1998 zum Dollar "zu hoch" fixiert wurde. Damals war aus weltwirtschaftspolitischen Gründen der Dollar "zufälligerweise" niedrig, der Euro-Kurs damit "relativ hoch. Es war kein politischer Kurs, es war ein Marktkurs".

Androsch: "Außenwert zu hoch angesetzt"

Davor hatte Hannes Androsch, ehemals Finanzminister und heute Industrieller, kritisiert, dass seinerzeit "der Außenwert zu hoch angesetzt wurde". Als exportorientierter Unternehmer fühle er sich zum gegenwärtigen Eurokurs freilich "komfortabel".

Mit der Euro-Einführung sei es im Binnenmarkt noch lang nicht getan, meinten die meisten Vortragenden bei der Enquete. Unisono wurde einer stärkeren Steuerharmonisierug das Wort gesprochen. Auch müsse Europa nach außen mit "weniger Stimmen" sprechen. Laut Androsch muss Europa "noch viel mehr tun", um etwa in Asien wahrgenommen zu werden, also alle Kräfte bündeln. Positionierungen, wie sie aus Teilen Österreichs momentan nicht nur zur Osterweiterung eingenommen würden, frustrieren den ehemaligen SPÖ-Politiker: "Europa spricht heute mit 17 Stimmen und der Karikatur eines österreichischen Landeshauptmanns". Über diesen habe man in den letzten Tagen in asiatischen Zeitungen lesen können, "über sonst nichts". (APA)

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