Management mit Noten und Banknoten

28. Februar 2002, 18:06
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Das jüngste Gerücht: Hans Landesmann ist 70

Wien - Einem ziemlich beharrlich kolportierten Ondit zu Folge wird Hans Landesmann am Freitag 70. Das Fatale an den meisten Gerüchten ist, dass sie, so unglaubwürdig sie auch klingen mögen, meistens stimmen.

Weil bei Hans Landesmann, wenn schon nicht alles, so doch immerhin vieles möglich ist und weil er, wenn schon nicht mit allen, so doch mit vielen Wassern gewaschen ist, liegt zumindest nahe, dass es sich bei ihm um einen Fische-Geborenen handelt.

Da lernte er in jungen Jahren nach NS-bedingter Emigration an der Wiener Musikhochschule Klavier. Doch wer glaubt, dass er dann Musiker wurde, irrt. Denn in Paris und New York absolviert er zunächst ein Chemiestudium. Deshalb braucht man freilich noch lange kein Chemiker zu werden. Hauptsache, dass die Chemie stimmt.

Und die stimmt bei Hans Landesmann, diesem einsamen Meister der verbindlichen Unverbindlichkeit, ja wirklich immer. Er ist nie ausschließlich der, für den man ihn hält. So herrschte freudiges Staunen, als alle, denen er vor zwölf Jahren Gerard Mortier als Salzburger Festspielchef mundig machte, ihm dann an der Seite des Belgiers als inventivem Konzert- und besonnenem Finanzchef begegneten.

Kein Wunder also und auch höchste Zeit, dass die Wiener Festwochen nach der kulturpolitischen Zangengeburt ihres neuen Intendanten ganz ohne Aufhebens in Hans Landesmann nun auch einen Musikdirektor erhielten.

So still und unaufgeregt Hans Landesmann auch durch die Gefilde des Kulturlebens gleitet, so folgenreich ist sein Wirken: Nicht nur eine große Ära der Wiener Konzerthausgesellschaft und das Salzburger Pfingstfestival gehen auf sein Konto, sondern auch die Musiktage in seinem Sommerdomizil am Mondsee. Ohne ihn gäbe es auch das Gustav-Mahler-Jugendorchester nicht. Auf ein Mahler-Festival in London und seine Konsulententätigkeit beim dortigen Barbican-Center kommt es dann schon nicht mehr an.

Wer ihn aber sprechen möchte, ruft am besten in der Firma Landesmann - "Importeure und Viehkommissionäre" - an, in deren Kontor er zusammen mit seinem Bruder europaweit und erfolgreich tagtäglich mit nicht minder wesentlichen Dingen dealt.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1. 3. 2002)

Von
Peter Vujica

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